Da Vicky viel Wert darauf legt, uns unterschiedliche Arten des Yoga nagezulegen, führte sie uns heute auf die Tanzfläche. Also nicht buchstäblich, wir blieben im Yoga Studio wie immer, aber heute wurde getanzt, und zwar mit Yoga Posen. Eine ganze Choreographie studierten wir ein – zum Soundtrack von Twilight. Als alles stand (bzw floss), zeichnete José das Ganze auf. Ich habe mir den Spaß nicht angeschaut, aber es soll wohl richtig gut geworden sein.
Nach dem Frühstück fuhr uns José nach Las Palmas, der Hauptstadt der Insel. Mit einer Karte in der Hand wurden wir hier unserem Schicksal überlassen. Und ganz ehrlich, ganz ganz ehrlich, man hätte die Damen auch im Wald aussetzen können. So ein Haufen desorientierter Hühner! Wäre ich mit fünf Kindern unterwegs gewesen, hätte es keinen großen Unterschied gemacht. Nur dass sie keine Spielzeugläden aufsuchten, sondern sonstige Schnickschnack- und Klamottengeschäfte. Zunächst war ich mir dessen aber nicht bewusst und da Niki so zielsicher in eine Richtung lief, kam ich gar nicht auf die Idee, es zu hinterfragen. Nachdem wir einige Läden abgeklappert hatten, suchten wir ein Restaurant auf, das Vicky uns empfohlen hatte. Danach war der Plan: ab zum Strand. Ein bisschen komisch kam es mir ja schon vor, dass die Gruppe immer weiter Richtung Osten zog (wo zwar Meer ist, aber nur Hafen, kein Strand). Dazu muss man sagen, dass die Stadt wie eine Halbinsel ins Meer hineinragt, daher Wasser links und rechts. Irgendwann fragte ich dann doch mal ganz vorsichtig, ob die Damen eine Idee hätten, wo sie hinlaufen. Na zum Strand, war die Antwort. Aber der Stand liegt doch ganz woanders! Oh. Erst schlug ich zögerlich eine Richtung vor, aber nach und nach übernahm ich komplett die Führung. Was gar nicht so leicht war, denn alle paar Minuten hatte sich wieder jemand von der Gruppe entfernt, war stehen geblieben oder in irgendein Geschäft gegangen. Irgendwann hatte sich zwar ein gewisser Rhythmus eingestellt, aber Niki ging ständig verloren. Die häufigste Frage des Tages daher: Wo ist Niki? Vicky hatte uns im Vorfeld einige Optionen vorgeschlagen, wie wir laufen könnten, aber man könne auch den Bus nehmen. Den Damen waren offenbar die Entfernungen nicht so ganz klar, eine acht Kilometer Runde war ursprünglich locker angedacht, aber in dem Tempo, in dem wir vorwärts kamen, konnte ich mir im Leben nicht vorstellen, dass wir das schaffen. Daher nahmen wir den Bus ans andere Ende der Stadt, wo wir zum Strand liefen, wo wir nur kurz verweilten, und letztendlich zum Einkaufszentrum Las Arenas, wo José uns abends wieder einsammeln wollte. Dort kauften wir Wein und Schokolade für unsere Gastgeber:innen (sowie Hund und Katze) und ließen ein gemeinsames Foto als Andenken für die beiden drucken. Ebenfalls eine der Aktionen, die ich letztlich übernahm, da die anderen vom Automaten überfordert waren. Bitte versteht mich nicht falsch, ich klinge vielleicht sehr genervt oder als hätte ich das Kommando an mich gerissen (wer mich kennt, weiß, dass das nicht meine Art ist – im Gegenteil). Aber das war es überhaupt nicht. Es war ein sehr sehr lustiger Tag, es wurde viel gelacht, diesmal authentisch, und als José und am Ende fragte, wie es gewesen sei, meinte ich nur, wie im Kindergarten, was mit einem sehr hysterischen Lachen der Damen beantwortet wurde. Sie dankten mir mehr als nur einmal, dass ich auf sie aufgepasst hätte und dafür gesorgt hätte, dass niemand verloren geht. Als Vicky am Vormittag alles erklärt hatte, hatte ich selbst nur zur Hälfte zugehört, weil es sooo viele Infos waren, aber sie hatte in der Karte das Wichtigste markiert. Es ist echt nicht so, dass ich hier pfadfinderische Leistungen vollbracht habe, vermutlich hat es einfach nur jemanden gebraucht, der die Verantwortung übernimmt. Irgendwie war das auch schön so. Und ich bisschen Stolz kann ich am Ende des Tages auch vorweisen.












Wie man auf dem letzten Bild sehen kann, beginnt auch auf den Kanaren die Weihnachtsvorbereitung von Jahr zu Jahr früher, das ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Aber meine Sinne sind komplett verwirrt, wenn man bei 29°C neben einem riesigen Weihnachtsbaum steht und Last Christmas hört.

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