Jesús is my (Co-) Pilot

Dieser Urlaub neigt sich dem Ende zu, aber nicht bevor ich nicht einmal rund um die Insel gefahren bin. Da ich bisher nur den Norden (und gestern das Zentrum) Gran Canarias gesehen habe, wollte ich noch eine Rundfahrt machen und dabei mehr über dieses spannende Stückchen Erde erfahren. Lange im Vorfeld hatte ich diese Tour gebucht, weil die Rezensionen so positiv waren und sie auch genau die Gegenden abdeckte, die ich noch zu Gesicht bekommen wollte. Gestern schrieb mich das Unternehmen ab, um mit mir die Abholung abzusprechen. Da ich außerhalb des Einsammelgebiets wohne, so wusste ich bereits, muss ich weiter in den Süden fahren. Kein Problem, ich soll einfach an der Bushaltestelle von Bahia Feliz Richtung Las Palmas warten, fünf Minuten vor um 8 kommt der Reisebus. Als Berlinerin denke ich mir, welche Haltestelle in Bahia Feliz denn genau? Aber da ich nur diese Angabe bekomme habe, ging ich davon aus, dass es nur eine gibt – ist schließlich nur ein ganz kleines Dorf. Nachdem ich einmal mehr die falsche Abfahrt genommen hatte (darüber könnte ich einen ganzen Blogpost schreiben, wie oft ich die Verkehrsführung nicht begriffen habe auf den Kanaren), wurde es zeitlich etwas knapp, aber immer noch im grünen Bereich. Dann war in der Nähe der Haltestelle kein Parkplatz, weshalb ich ein Stückchen weiter fahren musste. Dann Auto abgestellt und zur Haltestelle gerannt, gerade noch rechtzeitig. Handy klingelt, wo ich denn sei. Na an der Haltestelle! Der Busfahrer sieht mich nicht. Und ich den Bus nicht. Tja, ich war durch meine falsche Fahrt auch an der falschen Haltestelle gelandet. Ich sollte mir ein Taxi nehmen und nach San Agustin fahren, in zehn Minuten fährt der Bus ab, sagte die Dame am Telefon. Also wieder zurück zum Auto gehetzt, vielleicht ein kleines bisschen zu schnell auf der Autobahn nach Maspalomas gerast, wo genau noch ein Parkplatz frei war und die letzte Person in den Bus stieg. Puh, gerade so geschafft. Erst da wurde mir bewusst, was ich da für eine Tour gebucht hatte. Im Bus saßen nur alte weiße Männer und Paare. Und Maspalomas, wie mir bei der Weiterfahrt auffiel, ist eine reine Touristenstadt. Der ganze Süden besteht nur aus riesigen Hotelanlagen und Gated Communities. Der erste Stopp war in Mogan, ein Stückchen westlich von Maspalomas. Eine halbe Stunde Strandaufenthalt und dann weiter. Dieser Strand, so furchtbar. Nur Liegen, umgeben von Hotels, Souvenirshops und noch mehr Souvenirshops. Ach du Scheiße, wo bin ich da nur gelandet. Und im Bus lief Eternal Flame, Sexual Healing und ähnlicher Altpop. Spätestens da fing ich an, mich über mich selbst und die Tour lustig zu machen. Also es lustig zu finden. Ich konnte mich entweder acht Stunden lang nerven lassen oder es mit Humor nehmen. Ich entschloss mich für Zweiteres.

Der zweite Stopp war dann schon interessanter, denn wir hielten für eine kurze Fotopause in Los Azulejos (das hat nichts mit den portugiesischen Kacheln zu tun!), um uns die krassen vulkanischen Schichten im Gebirge anzuschauen. Sowas habe ich echt noch nicht gesehen und das hat mich ehrlich beeindruckt. Leider gibt das Foto nicht so viel her, aber durch Erosion und diverse Einlagerungen ist diese markante Felswand mit türkisen Schichten entstanden, die vor allem auf Eisenhydrat zurückzuführen sind. Und die Aussicht von dort oben ist auch ganz nice.

Gelernt habe ich auf der Fahrt so einiges. Wie zum Beispiel, dass die Leute in La Aldea de San Nicolas sich jedes Jahr am 11. September nach einem Feuerwerk in einen Tümpel stürzen, um Fische (Meeräschen) zu fangen, per Hand oder mit Körben bewaffnet. Das soll wohl ein ziemlich lustiges Spektakel sein.

Ich habe gelernt, dass es nicht nur Mangos gibt, sondern auch Mangas. Und damit meine ich nicht die japanischen Comics. Ich hatte mich gewundert, dass immer wieder betont wurde, dass es hier Mango und Manga Bäume gibt. Nach erinnert kurzen Recherche stellte ich fest, dass die Manga einfach die kultivierte Weiterzüchung der Mango ist. Süßer, festeres Fleisch, besser zu konsumieren. Und jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob wir nicht eigentlich immer Mangas essen, weil die Mango eigentlich die ursprüngliche Frucht ist. So richtig schlau bin ich auf die Schnelle aber nicht geworden.

Ich habe gelernt, dass Teneriffa deshalb so eine ungewöhnliche dreieckige Form hat, weil das ursprünglich drei Vulkane waren, die drei Inseln bildeten, die im Laufe der Jahrtausende zusammenwuchsen. Während Gran Canaria vor rund 14 Millionen Jahren entstand, ist Teneriffas Ursprung erst 12 Millionen Jahre her. Und wie der Name schon sagt, ist Gran Canaria von der Fläche her die größte der Inseln hier, aber Teneriffa hat mehr Einwohner:innen.

In der Nähe von Agaete, wo ich bereits vor einer Woche kurz war, weil dort die Fähre landete, steht El Dedo del Dios, der Finger Gottes. Ein Fels direkt an der Küste, der wie ein Finger in den Himmel ragt. Bzw. ragte, denn 2005 ist er bei einem Unwetter ins Meer gestürzt. Bei den Bildern, die ich von dem Felsen sah, bekam ich den Eindruck, dass es wohl der Mittelfinger Gottes sein muss. Hier auf dem Bild sieht man in etwa, wie es vorher ausgesehen haben muss.

Ich habe gelernt, dass nicht nur die Leute in Las Palmas den Bus „Guagua“ nennen, sondern das wohl auf ganz Gran Canaria so getan wird. Gesprochen wird das „Wuawua“ ist entspricht dem deutschen „Wauwau“, also dem Bellen eines Hundes.

Ein weiterer Zwischenstopp war direkt in Agaete, wo wir gemeinsam ins Restaurant zum Mittagessen gingen. Die Aktion war freiwillig und nicht im Preis inklusive, aber ich dachte mir, ein letztes Mal hier essen gehen, das wäre doch chic. Lasst es mich so formulieren: Es hat fast so gut geschmeckt, als hätte ich selbst gekocht, und war auch etwa genau so liebevoll angerichtet. Aber es war schön, noch ein bisschen von diesem kleinen Fischerdorf zu sehen.

Der nächste Zwischenstopp war dann wirklich sehr interessant, denn wir hatten die Möglichkeit, eine Platano Plantage, also eine Bananenplantage zu besichtigen. Ich glaube, Anfang des Jahres erzählte ich euch, dass ein Bananenbaum nur einmal Früchte trägt und danach abgesäbelt wird, oder? Heute habe ich gelernt, dass es sich dabei gar nicht um einen Baum handelt, sondern um eine Pflanze. Und wenn die Mutterpflanze ihre Blüte bekommt, wird diese peu a peu abgeschält, und dort entstehen dann die Bananen. Und wenn alle Bananen geerntet wurden, ja, dann wird der Stamm gefällt. Das Ganze ist recht nachhaltig, denn zum einen wird dieser Stamm und die Blätter geschreddert und als Dünger oder als Futter für die Tiere verwendet. Und zum anderen wächst aus der selben Pflanze ein neuer Stamm, der dann wieder Früchte trägt und dann nach einem Jahr etwa wieder geerntet und geschlachtet wird. Es ist also nicht so, als müssten da jedes Mal neue Pflanzen gepflanzt werden. Anders hingegen ist es bei der Agave. Die wächst etwa zehn bis elf Jahre, dann bekommt sie eine Blüte für rund neun Monate und stirbt dann.

Apropos Baum, der gar kein Baum ist: Von Vicky hatte ich letzte Woche erfahren, dass der Drachenbaum ebenfalls kein Baum ist, sondern eine Pflanze. So richtig verstanden habe ich das nicht, denn Bäume sind meiner Meinung nach auch Pflanzen. Aber egal. Vielleicht erinnert ihr euch noch an El Drago, diesen Jahrhunderte alten „Baums“ in Icod den los Vinos auf Teneriffa? Vielleicht habe ich auch nichts davon erzählt. Weiß nicht mehr. Jedenfalls ist da dieser uralte Drachenbaum, der seit 1917 als nationales Denkmal gilt. Ob er 300 oder 1.000 Jahre alt ist, da sind sich die Expert:innen nicht einig. Auf Gran Canaria gibt es auch etliche Drachenbäume, nur nicht so groß und alt. Was ich aber eigentlich erzählen wollte: Es lässt sich (zumindest bei nicht so alten Exemplaren) ganz gut erkennen, wie alt oder jung sie sind, da sie rund alle 15 Jahre einen neuen Ast wachsen lassen. Anfangs ist es nur ein Stamm mit den Blättern oben, nach 15 Jahren der nächste, usw. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40. Macht mit der Info, was ihr wollt.

Der letzte Zwischenstopp der Rundreise war Las Palmas, wo wir an dem Einkaufszentrum rausgeschmissen wurden, wo ich vor ein paar Tagen bereits war. Daher gibt es hier nichts Spannendes mehr zu erzählen. Außer vielleicht, dass Wolverine auf Spanisch offenbar Lobezno heißt.

Geleitet wurde der Tripp durch Reiseleiter Carmeno, der wunderbar in Spanisch, Deutsch und Englisch erzählte, sowie Jesús, dem Busfahrer. Hier seht ihr die Strecke (186km) und Stopps der Tages noch einmal im Überblick:

A Mogan

B Los Azulejos

C La Aldea (nicht weiter erwähnenswert)

D Agaete

E Bananenplantage in der Nähe von Galdar

F Las Palmas



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