Gdansk

Es gibt so Tage, da liegt man abends um sieben schon im Bett. Und heute ist so einer (was mit Blick auf die Zeitumstellung ganz praktisch ist). Aber einfach nur aus Erschöpfung und weil es der bequemste Ort hier im Zimmer ist. Eigentlich wollte ich ja wegen des Albino Pinguins nach Danzig, doch es stellte sich heraus, dass die Stadt auch ohne Pinguine sehr spannend ist. Selten war ich von einer Stadtführung so angetan und ich kann euch nicht sagen, ob das an der Führerin liegt, an der Stadt oder sogar an der Geschichte (dass ich mich mal für Geschichte interessieren würde…). Treffpunkt war 14 Uhr am Goldenen Tor, wo Zofia eine Gruppe von 25 Leuten in Empfang nahm. Durch die unterschiedlichen Nationalitäten kamen ganz unterschiedliche Fragen zustande, die mir zudem noch einmal einen ganz anderen Blick auf Dinge ermöglichten. Vor allem als einer der US-Amerikaner fragte, wie genau denn die Stadt im Ersten Weltkrieg zerstört wurde. Darüber habe auch ich mir nachgedacht. In meinem Kopf waren es immer Bomben aus der Luft, aber das ist ja nur eine der Mittel, wie Menschen im Krieg Dinge kaputt machen. Die Polen und speziell die Danziger haben laut Zofia einen ganz besonderen Bezug zu ihrer eigenen Geschichte und jede:r weiß, was hier im Laufe der Jahrhunderte passiert ist. Und ich habe so viel Neues gelernt, was „meine“ eigene Geschichte angeht. Da hier die Weichsel in die Ostsee fließt, war Danzig quasi schon immer eine bedeutende Handelsstadt. Vor allem Handelsreisende aus Lübeck ließen sich hier ab dem 12. Jahrhundert nieder und lebten hier gemeinsam mit regionalen Fischern und Goldsteinsammlern friedlich zusammen und nannten sich selbst „Danziger“ (abgeleitet vom polnischen Gdańsk, was wie auch anderen Städte, die mit „Gd“ beginnen, auf Sumpfland errichtet wurde), unabhängig von ihrer ursprünglichen Nationalität. Später entwickelte sich Danzig zu einer der bedeutendsten Mitglieder der Hanse. Ich will gar nicht großartig auf die Geschichte eingehen, da findet ihr viele bessere Quellen. Nur will ich sagen, dass die Stadt im Laufe ihrer Geschichte immer mal zu Polen gehörte, dann wieder zu Preußen, aber zwischendurch auch immer mal eine Freie Stadt war. Vor Beginn des Ersten Weltkriegs 164.000 der 170.000 Einwohner:innen noch Deutsch. Was ich nur deshalb erwähne, weil das auch heute im Stadtbild überall zu finden ist. Der Angriff der Nazis 1939 beispielsweise begann auf der Westerplatte. Und es gibt einen Stadtteil namens Rechtstadt. „Berg“ habe ich auch häufiger gelesen. An einem Haus kann man an der Fassade noch einen alten Schriftzug „Cigaretten und Tabak“ lesen. Der Hafen ist ziemlich spannend, da er innerhalb der Stadt ist. Und sogar eine Insel künstlich angelegt wurde innerhalb der Weichsel, um noch mehr Anlegestellen zu generieren. Vielleicht gibt es sowas öfter, aber mir ist es bisher nix aufgefallen.

16.500 Schritte später bin ich nun wieder in meiner Unterkunft, habe mir einen Salat geschnippelt (es gibt hier eine Gemeinschaftsküche, was ich normalerweise doof finde, aber hier schon sauber und sehr gut erhalten ist) und werde wohl doch länger wach liegen, als gedacht, weil zwei Etagen unter mir ein Jazzkonzert begonnen hat 😭



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