Untergetaucht

Ich weiß nicht genau, ob ich die Woche eventuell einen leichten Infekt hatte und deshalb so lust- und energielos oder ob das einfach nur der anstrengende Kurs war, aber heute wachte zum ersten Mal seit meiner Abreise aus Berlin wieder so richtig entspannt und erholt auf. Mit Noemi und Ralf saß ich lange beim Frühstück und fuhr danach das Radazul, etwa 16km von Valleseco entfernt. Schnuppertauchkurs. Den Tauchladen zu finden, war nicht schwer. Jemanden zu finden, der mich zum Tauchkurs führen konnte, hingegen sehr. Ich fragte eine Verkäuferin, deren Englisch aber so schlecht war, dass sie mich nicht verstand und immer nur meinte, sie verkaufe keine Bücher. Ich blieb aber stur und nach einer Weile traf ich jemanden, der weiterhelfen konnte, mich ein paar Formulare ausfüllen ließ, die ich so semiwahr beantwortete und schon lernte ich Daniel kennen, meinen Tauchlehrer. Normalerweise hat man hier Kleingruppen bis zu sechs oder acht Personen. Ich war allerdings allein und hatte somit eine ganz besondere Einweisung. Sein Englisch war nicht sehr gut, aber ausreichend, um mit ein paar Nachfragen alles zu verstehen. Die Ausrüstung, die es braucht, ist echte ganz schön schwer, aber hey, mein Gepäck ist es in der Regel auch, und die 50m zum Strand klappte problemlos. Dann ging es ins Wasser. Ich hatte im Vorfeld Sorge, dass ich unter Wasser Panik bekommen könnte. Aber tatsächlich sind mir meine regelmäßigen Panikattacke hier zu Gute gekommen, denn ich wusste, wie ich mich und meinen Atem regulieren kann und damit fühlte ich mich unter Wasser die komplette Stunde sicher und bekam sogar Komplimente für den unaufgeregten Anfang. Vermutlich sind auch die Erfahrungen vom Schnorcheln nicht ganz irrelevant. Die ersten Übungen waren im flachen Wasser und Daniel hielt mich an den Händen, um mich sanft am Strand entlang zu ziehen, während ich das Atmen unter Wasser übte. Dann ging es peu á peu tiefer, der Druckausgleich klappte auch ganz gut und so taten die Ohren nur ein bisschen weh. Die Unterwasserwelt selbst hätte mir dann allerdings doch fast den Atem geraubt, was da alles nur wenige Meter vom Strand entfernt lebt, man mag es kaum glauben. Die buntesten Fische, ein Oktopus, eine Riesenmuschel, die sich schloss, als Daniel sie berührte, ein sehr langer Fisch, bei dem Daniel eine Flöte imitierte, weshalb ich fast zu lachen begonnen hätte (keine gute Idee über Wasser), Fischschwärme, Seeigel… und mein persönliches Highlight: ich durfte in rund fünf Metern Tiefe einen Tintenfisch streicheln. Der war ganz sanft. Und etwas verärgert, dass wir so viel Unruhe verursachten, dass er kurz wegschwamm, dann aber wiederkam und sich zurück auf seinen Stein setzte. Ich dachte, das Reiten auf dem Dromedar sei das Besonderste in diesem Jahr, aber tatsächlich hat es diese Erfahrung noch einmal übertroffen. Bedauerlich nur, dass ich meine Kamera im Spind vergessen hatte. So müsst ihr meinen Worten einfach glauben schenken. Ich hoffe, ich bekomme noch die Bilder, die er von mir gemacht hat. Bin hinterher einfach ohne zu fragen rausgestürmt, weil ich noch so selig war. Als wir aus dem Wasser steigen meinte er nur „Achtung Schwerkraft“. Ich musste erst grinsen, aber die Schwerelosigkeit beim Tauchen war mir tatsächlich erst richtig bewusst geworden, als es schon vorbei war und die schwere Sauerstoffflasche an mir zog.

Nun sitze ich ein letztes Mal am Strand von Las Teresitas, gelehnt an eine Palme, die Ohren klingeln noch und tun leicht weh, aber das war es allemal wert und wird hoffentlich nicht das letzte Mal gewesen sein.



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