Da war sie wieder!! Ich hatte befürchtet, dass der Tag kommen würde und er kam leider früher als erhofft. Die Schabe hat sich wieder blicken lassen. Sie oder ihre Zwillingsschwester. Da sitzt man nichts Böses ahnend um drei Uhr morgens auf dem Klo und da starrt sie einen an, bereitet sich vermutlich schon gedanklich drauf vor, einem in den Mund zu krabbeln, während man schläft. Aber nicht mit mir, Freundchen! (Oder Freundinchen. Oder Freundchenin.) Meinem strafenden Blick hielt sie nicht lange stand und sie verschwand dann wieder im Ausguss der Dusche, wo sie vermutlich auch herkam. Pah, das hat sie sich so gedacht, kurz verschwinden und dann einfach fünf Minuten später doch wieder attackieren. Nee nee nee, vergiss es! Wasserhahn für einige Zeit laufen lassen, in die Küche geflitzt und einen kleinen Teller auf den Ausguss gestellt. Dann mit dem Stöpsel vom Waschbecken den zweiten Eingang versperrt. Und dann 30 Minuten wach gelegen und gegrübelt, ob ich mir auch Sorgen wegen des anderen Badezimmers machen sollte. Dann aber beschlossen, dass das Karos Problem ist… Die Nacht war auch so schon viel zu kurz.
Denn heute klingelte morgens zum ersten Mal in diesem Urlaub der Wecker. Um 11 Uhr waren wir in Paola verabredet und bei den hiesigen Busverhältnissen muss man sich ja auf die doppelte Zeit für die Anreise einrichten. Wir waren natürlich viel zu früh da und mussten daher 45 Minuten warten, bis unsere Tour durch das Hypogäum begann. Die im Neolithikum (Jungsteinzeit) gebaute unterirdische Begrabnisstätte ist absolut faszinierend. Vor allem mir vorzustellen, dass vor knapp 4 Jahrtausenden genau an der selben Stelle Menschen mit Steinwerkzeugen 11 Meter tiefe Höhlengänge in den Sandstein geschlagen haben, bereitet mir wahrlich eine Gänsehaut. Die Führung kostet zwar ganz schön viel Urlaubsgeld, aber dafür bekommt man auch richtig was zu sehen, schön gestaltet und mit Audioguide ausführlich erläutert. Bedauerlicherweise hat der Sprecher des Audioguides auf deutsch (bzw. auf germanese, wie die Malteserin so schön sagte) einen Sprachfehler, was die ganze Tour teilweise etwas albern werden ließ. Wie soll man auch ernst bleiben, wenn Tee der Kerl immer vom „Fichauge“ spricht? Leider kann ich euch keine Bilder zeigen, da das Fotografieren 100 Euro und eine Ausweisung aus dem Hypogäum gekostet hätte. Lieber versuche ich dieses UNESCO Kulturerbe so in Erinnerung zu behalten.
Da wir schon einmal in der Ecke waren, konnten wir gleich noch hinter ein weiteres Kulturerbe einen Haken machen: Die Tarxien Tempel sind von da aus fußläufig zu erreichen und gehören zu den neolithischen Megalithanlagen Maltas, die 1992 von der UNESCO entsprechend benannt wurden. In der Mittagshitze und nachdem wir die angenehme Kühle der unterirdischen Höhlen verlassen hatten, war der Besuch der Tempel nur von kurzer Dauer. Aber ihr kennt ja den Spruch: Kennste einen, kennste alle. Vor allem mit leerem Magen.




Erlösung brachte der klimatisierte Bus, der uns im Anschluss nach Vittoriosa brachte. Eben jene Stadt besichtigten wir dann also, nachdem unsere Mägen wieder zufrieden gestellt waren. Den Inquisitorenpalast ließen wir aus, obwohl das schon ein Highlight gewesen wäre. Wer hätte das erwartet? Stattdessen besuchten wir das Fort St. Angelo an der Spitze der Halbinsel, auf der die Stadt errichtet wurde. Hach, war es schön leer dort.


Vom Fort aus spazierten wir die Bucht entlang zur nächsten Halbinsel und der zugehörigen Stadt Senglea. Alles irgendwie niedlich und schön. Besonderheit der Stadt ist dieser kleine Beobachtungsturm, der als einziges Teil der St. Michael Festung übrig geblieben ist. Vielleicht seht ihr auf dem Bild Auge und Ohr, die einen Hinweis darauf geben sollen, dass die Wache immer aufmerksam verfolgt hat, was dort im Hafen so vonstatten ging.



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