Ruhetag

Die vergangenen Tage haben unsere Energiereserven doch ganz schön verbraucht und vor allem die Hitze hat uns einiges abverlangt. Heute ist es zum Glück kühler, 22 bis 24 Grad, und es regnet immer mal wieder. Tut auch mal ganz gut, vor allem wenn man eh einen Ruhetag eingeplant hat. Bis soeben saßen wir noch auf der Terrasse, schrieben Postkarten, sortierten Bilder und, ach, hmmm, so schön, streichelten Katzen. Es gibt hier eine rote Katze, Karo hat sie Käthe getauft, die jeden Morgen, wenn wir hier zum Frühstück sitzen, vorbeischaut und sich eine intensive Streicheleinheit abholt.

Heute kam aber noch ein anderer Besucher dazu. Schaut euch doch nur mal dieses unfassbar niedliche Kätzchen an. Vielleicht ein halbes Jahr alt, würde ich schätzen. Ganz weich und leicht, noch sehr schüchtern. Sie hat sich dann aber doch getraut zu uns zu kommen und nach einigem Hin und Her dann neben mich auf den freien Stuhl geklettert, so dass ich sie kraulen konnte. Sogar auf den Arm durfte ich sie nehmen. Nachdem sie das nötige Vertrauen gewonnen hatte, kam sie dann mehrfach wieder an. Dieses kleine Ding zu halten und streicheln, war so ein tolles Gefühl. So klein und zerbrechlich, ich habe ganz deutlich den aufgeregten Herzschlag gespürt. Und doch blieb sie eine Weile bei mir.

Inzwischen ist es kurz nach 12 und ich habe etwa eine Stunde damit verbracht, an Karos Laptop ein VPN einzurichten, damit sie auf die Uni Datenbanken zugreifen kann. Meine gute Tat des Tages, jetzt kann ich eigentlich wieder ins Bett gehen. Ich sollte vielleicht einfach noch ein bisschen Yoga machen oder so. Aber selbst dafür fehlt mir gerade der Elan. Passenderweise hat mein Handy aus „Elan“ grad „WLAN“ gemacht, denn auch das fehlt. Oder weniger das WLAN als viel mehr das Internet. Hin und wieder kommen zwar ein paar Daten durch die Luft und dann reicht es auch aus, um eine Folge bei Netflix zu gucken, aber dann ist es wieder so schwach, dass ich Probleme damit habe, die Bilder hier im Blog hochzuladen. Überhaupt hat diese Wohnung hier ein paar zauberhafte Vorteile, wie die Ruhe und die Kühle – selbst wenn es draußen 30 Grad sind, die Wohnung bleibt bei 22 oder 23 Grad. Auch diese Zuckerkatzen, die uns beim Frühstück besuchen sind definitiv ein Pluspunkt. Zudem gibt es nur wenige Insekten (wenn auch so einige Spinnen). Aber einiges nervt dann doch, wie eben das Internet und die schwierige Anfahrt – auch wenn ich mich da inzwischen dran gewöhnt habe. Nebenan wohnt ein älterer Herr, der ständig seinen Raucherhusten hören lässt oder Zigarre rauchend auf der Terrasse sitzt. Schade ist auch, dass die nächsten Einkaufsmöglichkeiten so weit entfernt sind, dass wir immer fahren müssen, um Vorräte aufzufüllen. Aber das geht wohl mit der Ruhe einher. Da nimmt man das für die Zeit schon einmal in Kauf.

Es ist für mich persönlich immer noch sehr merkwürdig, Urlaub zu machen und alle um mich herum sprechen deutsch (oder sowas ähnliches). Seit 2010 waren wir jedes Jahr im Ausland unterwegs und entweder, wir haben unsere Mitmenschen teilweise verstanden (in England oder Schottland) oder eben gar nicht. Das ist total okay und gehört irgendwie zum Urlaubsgefühl dazu. Aber hier… Okay, zugegeben, ich verstehe auch vieles nicht, was die Schwaben da vor sich hin brabbeln. Es ist schon ein merkwürdiger Dialekt, auch wenn ich ihn eigentlich schon gewohnt sein sollte. Wenn dann sogar die kleinen Kinder schwäbeln, ist es schon wieder niedlich. Insgesamt sind die Leute hier ziemlich freundlich und aufgeschlossen. Es gibt zwar einige Drängler auf den Straßen, aber die sind ja überall. Gleichzeitig stößt man mindestens einmal pro Fahrt auf einen Senior, der sich offenbar keine hohen Geschwindigkeiten mehr zutraut und dann alle anderen blockiert. Mich stört es nicht so sehr, ich bin hier die Ruhe in Person. Ich merke allerdings auch, wie sehr das Autofahren schlaucht. Ich bin es einfach nicht gewohnt, so oft und viel selbst zu fahren. Meine Augen werden schnell müde und bei den Ausflügen fehlt mir schnell der Antrieb. Aber wenigstens reicht es immer, um mich auf den Verkehr zu konzentrieren. Das ist ja im Grunde auch viel wichtiger. Und solange ich Karo nicht unterwegs aufhalte, würde ich sagen, ist alles im grünen Bereich.



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