Plaka

Trotz des unfassbaren Lärms hier in der Straße kam ich auf stolze neun Stunden Schlaf und bin quasi als neuer Mensch aufgewacht. Ein Mensch, der Hunger hat. Micha und ich wollten eigentlich zusammen frühstücken, aber als er eine Stunde später immer noch kein Lebenszeichen von sich gab, machte ich mich allein auf den Weg. Da wir uns heute Plaka anschauen wollten, suchte ich mir dort ein Café. Unsere Unterkunft ist ja nicht nur wenige Gehminuten von der Akropolis entfernt, sondern eben auch von diesem – einem der ältesten der Stadt – Viertel. Es ist, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, komplett von Touristen überlaufen. Daher kam mir der Regenguss durchaus gelegen, denn aus Krach und Fülle wurde eine Nervensystem-freundliche Gedämpftheit und Leere. Naja, nicht leer wie mein Magen, aber immerhin verträglicher. Mein Magen wurde mit einer Waffel und einem Cappuccino gefüllt und mein Geist mit einem guten Buch.

Als Micha dann gegen halb 12 ausgeschlafen hatte, gesellte er sich kurze Zeit später zu mir und wir schlenderten ziellos durch die Altstadt. Also natürlich sind 90% der Geschäfte hier komplett austauschbar, aber einen gewissen Charme hat es trotzdem. Die schmalen Straßen, die alten Häuser, die Händler auf dem Markt mit ihren vielen Gewürzen, die mich stark an die Medinas in Marokko erinnerten. Wir kamen zudem an einer Demo vorbei, was ich ganz passend finde, denn schließlich liegen hier in Griechenland die Wurzeln der Demokratie und das Volk war laut, ich sag es euch! Es wurde gegen die Zustände rebelliert. Um Marc-Uwe Kling zu zitieren. Im speziellen die in der Schiff- und Stahlindustrie. So sehr der Krach und das Gewusel auch anstrengen, irgendwie genieße ich solche Ausflüge auch. Die Impressionen sind schon immer was Besonderes. Und eine Reise nach Athen bedeutet nun mal Menschenaufläufe ohne Ende. Dumme Menschen. Menschen, die an den engsten Stellen plötzlich stehen bleiben. Alter! Egal. Am Nachmittag suchten wir uns ein Restaurant und auch die zweite Runde Tzatsiki enttäuschte nicht. Dazu gebratener Feta Käse mit Honig und Sesam. Hmmm…. Und wenn man grad mal die Schnauze von Menschen voll hat, setzt man sich einfach zu einer Katze und sinniert über Gott und die Welt. Oder die Götter und die Welt…

Danach gönnte ich mir eine schöne lange Pause in unserer Unterkunft. Nervensysteme brauchen eben auch ihre Ruhe, nicht nur Füße. Danach reichte es allerdings nur noch bis zum Restaurant um die Ecke, einer Portion Feta – geht halt immer – und suuuuper leckere marinierte Sardinen. Sardellen? Anchovis eben. Essen, das können sie hier wirklich! Und falls es jemanden interessiert: Heute waren es nur 16.000 Schritte…



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