Was für ein aufregender Tag! In aller Frühe machten wir uns auf zum Zug, um nach Penzance zu fahren. Was zunächst nur ein paar harmlose Tropfen waren, entwickelte sich recht schnell zu unangenehmstem Sprühregen, sodass wir halb durchnässt am Bahnhof ankamen – einzig und allein unseren neuen Regenjacken haben wir es zu verdanken, dass wir nicht vollständig eingeweicht wurden. Entsprechend kalt wurde dann auch die Zugfahrt, doch als wir in Penzance ankamen, war alles wieder trocken.
Blick aus dem Zug auf die Kathedrale von Truro:
Weiter ging es mit dem Bus, rund eine Stunde Richtung Südwesten. Ziel: Land’s End. Welch abenteuerliche Fahrt, sag ich euch, sowas habe ich noch nicht erlebt. Cornwall ist fast noch spärlicher besiedelt als Devon, entsprechend schmal sind die Straßen. Vor allem in der Stadt eine absolute Katastrophe. Penzance ist nun wirklich nicht groß, aber bis wir außerorts angelangt waren, vergingen bestimmt 20 Minuten. Diese Straßen wären in Deutschland gewiss Einbahnstraßen, definitiv gäbe es aber ein absolutes Halteverbot. Hier parkt man überall, es ist ein einziger Kampf, sich mit dem Gegenverkehr zu einigen, wer sich als nächstes fünf Zentimeter weiterbewegen darf. Und dazu geht es auch noch relativ steil bergauf. Noch schlimmer wurde es dann allerdings ein paar Kilometer später, als an einem steilen Stück Straße, die links vom Berghang und rechts vom Abhang begrenzt war, das entgegenkommende Auto schon dabei war, langsam in einen Busch zu fahren, um somit dem Bus weichen zu können. Das einzige, was die Fahrerin damit allerdings erreichte, waren wilde Lästerreien vom Busfahrer (Wo hast du denn deinen Führerschein gemacht? usw), die alle Passagiere zum Lachen brachten – in diesem wunderbaren Britisch ist das eben etwas ganz Anderes als das Gemotze der Berliner Busfahrer.
Land’s End selbst besteht nur aus so einer Sorte kleinem Abenteuerpark mit vielen, vielen, vielen Touristen. Daher aßen wir nur schnell zwei Cornish Pasties und begannen unsere Wanderung entlang der Klippen. Anfangs noch etwas regnerisch, relativ bald aber nur noch bewölkt und trocken meinte es das Wetter richtig gut mit uns. Zur Wanderung an sich gibt es nicht viel zu erzählen, Klippen rechts, Heidekraut links, aber macht euch selbst ein Bild:
So ganz, wie wir uns das vorgestellt hatten, verlief der Rückweg dann leider nicht mehr. Erst mussten wir etwa 5km an der Straße entlang laufen, die im besten Fall einen ganz schmalen Grasstreifen links und rechts hat, überwiegend jedoch nur hohe Büsche, sodass wir partout die Seite wechseln mussten, um den Autos auszuweichen, ähnlich wie bei einem Jump and Run Computerspiel.
Aber der richtige Nervenkitzel kam erst, als wir wieder zurück in Land’s End auf den Bus warteten. Der kam nämlich nicht. Nicht 10 Minuten später, nicht 20, nicht 30, nicht 40… Als er nach 50 Minuten noch nicht zu sehen war, wurden wir dann doch etwas unruhig, denn es war die letzte Fahrt des Tages. Beim Land’s End Information Service wollten wir uns nach einem Taxi erkundigen, doch als wir dort ankamen, war er bereits geschlossen. Handyempfang quasi nicht vorhanden. Wie gesagt, ist Land’s End nur diese Touristenattraktion, was bedeutet, dass dort um diese Uhrzeit niemand mehr zu finden ist, entsprechend MUSS man dort wieder weg, wenn man nicht die Nacht im Heidekraut verbringen will. An einer Stelle wurde der Handyempfang etwas besser, doch der im Internet nachgeschlagene Taxiservice war nicht erreichbar (vermutlich checken wir die englischen Telefonnummern nicht richtig). Doch dann das Unerwartete: Mit über einer Stunde Verspätung kam der Bus dann doch. So schafften wir in Penzance sogar noch den vorletzten Zug und die Welt war wieder in Ordnung.








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