Orakel

Wäre ich nicht gestern schon um 9 eingeschlafen, wäre die Tour heute sehr früh gestartet. So war es aber überhaupt kein Problem, um 7 das Haus zu verlassen, um mir der Metro nach Halandri zu fahren, was im östlichen Teil der Stadt liegt, um mich dort der Reisegruppe nach Delphi (letzte Woche noch Delphi Lux mit meinem Schwesterchen, heute Delphi deluxe) anzuschließen. Abwechselnd lernte ich von Reiseleiterin Vivien und Stephen Fry etwas über Delphi, das Orakel und auch was sonst noch so wichtig zu wissen ist. Bei der Menge Input ist natürlich nur ein kleiner Teil hängen geblieben. Was kann ich euch erzählen? Rund um Delphi gibt es mehrere Legenden, die von Fry gefällt mir am besten: Hera war eifersüchtig auf Artemis und Apollon als unerhebliche Kinder Zeus‘ und hetzte ihnen damals eine mythische Schlange aus Pytho auf den Hals: die Python. Apollon tötete die Schlange und wurde zur Strafe nach Pytho, später Delphi, geschickt. Ihm zu Ehren wurde der Apollo Tempel errichtet. Und dort fand man dann das Orakel, das einmal im Jahr – zu Apollos Geburtstag (März oder April) – zu den Menschen sprach und mit ihren mehrdeutigen Aussagen quasi auch immer Recht hatte. Da das Ganze an Beliebt- und Berühmtheit gewann, wurde das da erweitert auf neunmal im Jahr, einmal im Monat, während Apollon in Delphi verweilte. Nicht in den Monaten, in denen Dionysos an seiner Stelle zugegen war. Mit wachsenden Besucherzahlen von Menschen weltweit wurde Delphi zum Nabel der Welt (bzw die Mythologie erzählt, wie Zeus zwei Adler aussandte um das Zentrum der Welt zu finden und das war das Ergebnis der Suche).

Das Orakel oder auch Pythia, wie ihr Rolle genannt wurde, war zu Beginn immer ein junges Mädchen im Alter von 12 Jahren, dass hier jeweils rund drei Jahre blieb, bis sie starb. Irgendwann erschien das den Menschen aber zu fies, weshalb sie uralte Frauen, die eh schon dem Tode nahe waren, als Orakel dienten. Uralt heißt hier so um die 50. Das Orakel sprach nie direkt zu den Menschen, sie war hinter einer verschlossenen Wand und rief ihre Weissagungen nur laut, damit ein alter weißer Mann (no kidding) alles niederschrieb und weiterreichte. Es kommt noch besser: Die Pythia empfing ihre Weissagungen auf einem Tripod über einer Felsspalte sitzend, aus der berauschende Gase strömten. Heute wird vermutet, dass es diese Gase waren, die das frühe Ende der armen Frauen bedeutete.

Was Apollon hier allerdings ganz Schönes eingeführt hat, sind die pythischen Spiele. Ähnlich wie die olympischen Spiele und im Wechsel dazu alle vier Jahre stattfindend, eben Apollon gewidmet. „Anfangs gab es bei den Pythischen Spielen nur musikalische Wettkämpfe, zunächst den Gesang zur Kithara, später erweitert durch Gesang zur Flöte und Soloflötenspiel. Diese behielten hier auch größere Bedeutung als bei den anderen großen Festspielen, obwohl mit der Neugestaltung der Pythien auch in ihnen die gymnastischen Wettkämpfe und die Wagen- und Reiterrennen Eingang gefunden hatten.“ (Wikipedia)

Durch das Museum von Delphi rannte ich regelrecht durch, mehr als 15 Minuten war ich nicht drin. Zum einen bin ich einfach kein Mensch für derlei Exhibitionen und zum anderen waren da soooo viele (dumme) Menschen, dass ich auch einfach keine Geduld hatte. So saß ich eine Weile davor und genoss die Sonne, bevor der Reisebus zur letzten Etappe des Ausflugs aufbrach: Arachova. Ein kleines Städtchen oder viel mehr Dörfchen, vielleicht fünf Minuten von Delphi entfernt, das ungelogen aus nur einer Straße besteht, dafür aber aus vielen Gassen. Die Griechen sind wohl vor allem im Winter hier in Scharen unterwegs. Es gibt nur 3.000 Einwohner:innen, dafür aber 30.000 Wohnungen, damit die Touristen unterkommen können. Oder waren es 30.000 und 300.000? Das erscheint mir jetzt doch etwas viel, aber ich weiß es auch nicht genau. Vergessen. Die Häuser sind wirklich ganz malerisch, aber da sie am Hang liegen, sind die Gassen und teilweise Treppen wirklich sehr sehr steil. Es gibt einen Uhrenturm, der vor rund 50 Jahren erbaut wurde, von dem man sehr sehr schön auf die Häuser aber auch auf die Berge schauen kann. Wir hatten zwei Stunden Zeit für eine Mittagspause, aber mir war nicht nach Essen, weshalb ich nur Sonne tankte, unzählige Treppenstufen hinauf lief und mir dann doch kurz vor Schluss noch ein Eis gönnte. Und einen uuuunfassbar niedlichen Streuner traf, den ich mit einem Stück ungesüßter Reiswaffel und etwas Wasser versorgte.

Nun bin ich wieder in meiner Unterkunft. Ich hatte noch mit mir gerungen, ob ich nicht noch mal essen gehen sollte, schließlich habe ich heute kaum etwas zu mir genommen, doch der Blick auf die Urlaubskasse hat mir drüben kurzen Besuch im Supermarkt nahegelegt. Aber Pita Brot mit Hüttenkase und Gurke ist auch super. Καλή όρεξη!



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