Der Tag begann für mich heute wieder recht früh, und das nicht nur, weil ich in letzter Zeit oft halb sechs aufwache und danach nicht mehr einschlafen kann, sondern auch, weil ich viertel 8 in der Küche stand, um den Jungs beim Vorbereiten des Frühstücks zu helfen. Jedes Mal, wenn ich jetzt etwas in ein Regal räume oder rausnehme, habe ich jetzt Gabriels Worte im Kopf, wie er sagt, „that lives here, that lives there“ („das wohnt hier, das wohnt da“), als er zu Beginn zeigte, wo alle Küchenutensilien und Teller etc zu finden sind. Ich finde die Formulierung einfach so schön, dass ich sie mir auch angewöhnen will. Das gibt den Dingen irgendwie eine Seele, finde ich. Es ist schon wirklich eine besondere Erfahrung und ich bereue es überhaupt nicht, hier hinter den Kulissen mitwirken zu können. Auch wenn es bedeutet, nicht so viele Pausen zum Ausruhen und stattdessen konstante Verantwortung für irgendwas zu haben. Hier und da entgeht mir auch mal was, aber damit wird hier superentspannt umgegangen. Nach etwas mehr als 24 Stunden kann ich sagen, dass ich hier echt auf die entspannteste und homogenste Gruppe meiner Retreat Laufbahn gestoßen bin.
Um elf trafen wir uns vor dem Haus, um zu einer Gaststätte auf dem Berg zu „spazieren“, hieß es. Dass man hier in den Alpen kaum von Spazieren sprechen kann, vor allem bei dem Schnee, ist natürlich schon klar. Aber was soll’s, ich will es trotzdem versuchen, mag ja nichts verpassen. Doch ganz ehrlich, nach nur einem Kilometer lief ich den anderen mit großem Abstand hinterher und war ich so erschöpft, dass ich nervös wurde. Irgendwie schien Chris das zu merken und warte auf mich. Ich könne doch auch die Seilbahn nehmen, das spart einen großen Teil der Strecke. Ich fackelte nicht lang und lief zurück zur Seilbahn. Der Wärter war auf meine Frage hin, wo ich denn Tickets kaufen kann, nur irritiert und meinte, „ja was weiß denn ich, wo man die Tickets bekommt? Geh einfach unter der Absperrung durch, is scho recht.“ Als ich in der Bahn saß, überlegte ich noch lange auf der Frage herum, ob es mir peinlich sein sollte. Aber dann dachte ich mir nur, nee, ich wollte ja eh nicht wandern, aber die Aussicht schon genießen. Ich bin lieber in guter Verfassung am Ziel und bin faul, statt total im Arsch zu sein, auf dem „ehrbaren“ Weg. Zumal es ab der Seilbahn immer noch 1,5km waren, was du wenig klingt, unter den Bedingungen aber schon eine echte Herausforderung werden kann.




In der Penkentenne gab es für mich natürlich Kaiserschmarrn, den hatte ich mir irgendwie verdient. Nicht, weil ich so wenig gewandert bin, sondern weil ich den Ausflug angetreten bin, ich mich getraut habe und trotzdem mit weniger Anstrengung als befürchtet. Nach dem Essen hat die Gruppe noch so eine Art Snowboard getestet, was aber eher wie ein Surfbrett ist – ohne Fußhalterung. Ich habe nicht mitgemacht, weil ich a) zu feige war, b) keine wasserfeste Hose anhatte und c) ein bisschen Übelkeit vom Mittagessen hatte (ich habe die Portion nicht mal zu Ende gegessen, obwohl es sehr lecker war). Aber die anderen hatten ihren Spaß und ich konnte von ihnen Fotos und Videos machen. Unten wieder angekommen (dieses Mal vollständig zu Fuß), ging ich erstmal duschen, bevor ich dann den Jungs bei den Vorbereitungen zum Abendessen zu helfen. Die Yoga Stunde sparte ich mir dieses Mal, auch wenn es nur milden Yin Yoga war. Aber die Pause war dringend nötig. Zum Abendessen gab es Chili sin carne mit Sourcream, Nachos und Guacamole (Letzteres größtenteils von mir zubereitet). Dann putzten die Jungs und ich alles Geschirr und verstauten die Essenreste und machten auch sonst überall Ordnung. Und jetzt bin ich komplett erschöpft und bin froh, jetzt schlafen zu dürfen.






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