Nach so vielen religiösen Begegnungen befasste sich der heutige Vormittag mit eher säkularen Themen. Nach Andacht und Frühstück fuhren wir mit dem Bus zum Soldatenfriedhof in Maleme. „Maleme ist einer der geschichtsträchtigsten Orte Griechenlands, da der hier gelegene Flughafen während der Schlacht um Kreta im Mai 1941 (Operation Merkur) der Landepunkt der deutschen Fallschirmjäger war. Den Deutschen, die auf den heldenhaften Widerstand der örtlichen Bevölkerung und der alliierten Streitkräfte stießen, gelang es schließlich nach schweren Verlusten, den Flugplatz zu erobern. So konnten die Verstärkung landen und den Weg für die Besetzung Kretas ebnen. Die heroische Haltung der Kreter, die nur mit Macheten, Steinen und Messern den Eliteeinheiten der deutschen Armee, ihren Fallschirmjägern, einen schweren Schlag versetzten, zwang Hitler selbst, sich ihrem Patriotismus zu beugen. Es war das erste Mal in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, dass deutsche Truppen auf starken Widerstand der örtlichen Bevölkerung stießen, und es war auch der erste und letzte große Luftangriff der Geschichte. Die 4.465 Deutschen, die meisten davon Fallschirmjäger, die während der Schlacht um Kreta starben, sind auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Maleme begraben.“ (Reiseführer für Kreta)
Die Soldaten waren junge Männer. Das höchste Alter, dass ich auf einem der Grabsteine las, war 27. Der Jüngste war 17, der nur mit „Mutti-Brief“ in den Krieg ziehen durfte, um seinen beiden Brüdern zu folgen. Das geht mir deshalb doch schon etwas nah, weil viele so alt waren, wie es mein Neffe jetzt ist. Die Vorstellung, er könne in so eine Schlacht aufbrechen, schnürt mir schon die Luft ab. Aus heutiger Sicht würde man behaupten, dass mein Neffe vermutlich eher ein Desateur gewesen wäre, aber die Zeiten waren anders. Wer von uns kann mit Gewissheit sagen, wie er/sie sich damals verhalten hätte? Viele der jungen Männer sind mit Freude und Stolz an die Front gegangen. Umso skurriler dann diese Gedenkstätte. Ich kam mir erst komisch vor, warum spricht denn niemand diese offensichtliche Frage aus, liege ich hier total daneben? Warum gibt es in Griechenland eine Gedenkstätte derer, die das Land attackiert haben und unzählige Bürger abgeschlachtet haben? Im anschließenden Gespräch mit dem Bürgermeister der Region kam die Frage dann aber durchaus auf. Stellt sich raus, dass die Griechen einfach die gastfreundlichsten Menschen der Welt sind. Und es wird ja nicht der Gräueltaten gedacht, die die Soldaten begangen haben, sondern der Männer an sich. Er erzählte auch, dass es eine ältere Dame gebe, die jeden Tag für die Toten eine Ölkerze anzünde. Auf die Frage, warum sie das für diese Menschen täte, die so viel Schlimmes getan haben, antwortete sie wohl, dass die Mütter der jungen Männer nicht vor Ort für ihre Söhne Kerzen anzünden können. Daher würde sie es tun. Für die Mütter, nicht für die Männer. Bei der Anekdote kamen mir die Tränen. Das sagt so viel über die Griechen aus. Und was recht deutlich den Worten des Bürgermeisters zu entnehmen war, ist, dass Deutsche hier immer herzlich willkommen sein. Alles, was man sich wünsche, sei eine Anerkennung dessen, was passiert ist. Nur das ehrliche Eingeständnis führe zur Versöhnung zwischen Deutschen und Griechen.



Mit diesen schweren Gedanken im Kopf fuhren wir mit dem Bus zur Terra Creta, um uns mit einem leichteren Thema zu treffen: Olivenöl. Wir wurden durch den Prozess der Olivenölgewinnung geführt und durften im Anschluss sogar noch an einer Olivenölverkostung teilnehmen. Ja, sowas gibt es wirklich. So richtig mit Miniproben, die man mit der Hand erwärmen und schwenken muss, um die danach im Mundraum entfalten zu lassen. Ein gutes Olivenöl ist fruchtig, bitter und scharf. Vor allem das mit der Schärfe war mir neu. Und tatsächlich, umso edler das Öl, desto schärfer ist es. Tatsächlich ist mir aber das weniger edle milde lieber.





Wieder zurück in der Akademie erhielten wir Besuch von einem der Gründsmitglieder der Akademie, der inzwischen auch schon 90 ist. Er erzählte von seinem Lebenslauf und was zur Gründung drr Akademie geführt hat. Auch wurde das Thema der Vergebung und Versöhnung besprochen, da auch sein Heimatdorf von den Soldaten zerstört worden war. Vergeben, aber nicht vergessen.


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