Zug


Ich glaube, ich werde das Zugfahren über lange Strecken nie so richtig doll genießen. Das Fliegen scheint auf den ersten Blick natürlich unangenehmer zu sein, denn man verbringt wahnsinnig viel Zeit mit Warten und selbst wenn ein Flug nur drei Stunden dauert, so ist die gesamte Reise mit mindestens sechs bis sieben Stunden zu berechnen. Das Flugzeug selbst ist laut und eng. Aber: Während das Flugzeug an sich laut ist, sind es die Menschen meistens weniger – eben wegen der Lautstärke. Im Zug sind die Leute laut. Dieses Dauergequassel meiner Mitreisenden macht mich bei weitem so viel mürber als der Flugzeuglärm. Und eng ist es hier genau so. Es wird ja immer hervorgehoben, dass man im Zug auch einfach durch die Gegend spazieren gehen kann, aber wenn man am Fenster sitzt, hat man diese Option eben auch nicht. Der Platz zum Vordermensch ist ähnlich wie im Flugzeug. Die Toiletten sind kaputt oder stinken so sehr, dass man sie nicht betreten kann. Und dann sitzt man eben sechs Stunden an einer Stelle, gequält von den Mitmenschen (denn die Abteile waren zum Zeitpunkt der Buchung nicht verfügbar), es gibt keine Möglichkeit, das Handy zu laden, weshalb man nicht mal eben Serien bingen kann und ach ach ach…. Nein, es ist schon Jammern auf hohem Niveau. Ich finde es schon schön, mal wieder was Neues zu sehen und rauszukommen aus dem zurzeit viel zu stressigen Alltag voller Wahlkampf auf Arbeit und Projektwechsel und BVG Streik und kaputten Autobahnbrücken und überhaupt. Ich freue mich ja auf die kommenden 48 Stunden. Aber diese Mittelaltermenschen aus Deutschland, die den kompletten Wagen unterhalten müssen, rauben mir den letzten Nerv. 1,5 h schon geschafft, 4,5 h noch vor mir.

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