Vorab zur Info: Falls mein Bericht an einigen Stellen etwas unlogisch erscheint, liegt das daran, dass ich ihn nun schon zum zweiten Mal schreibe – er wurde leider nicht gespeichert, als sich das Tablet unerwarteterweise aufhängte. Jetzt versuche ich mich eben von vorn…
Der heutige Tag begann so, wie der gestrige endete: mit typisch
französischem Essen. Auf meinem Teller landeten ein Stück Baguette, ein Croissant und kleine Pains au chocolate (Schokobrötchen). Wenn man schon mal hier ist, sollte man das doch ausnutzen. Ich bin schon gespannt, welche Klischees ich noch wahrnehmen werde 🙂 Zum Glück hatten wir den Speisesaal für uns, so dass wir alle mit aller Gemächlichkeit angehen konnten. Karo setzte diese Ruhe im Anschluss fort, während sie erneut die Beine hochlegte und Pläne für den Tag schmiedete. Ich hingegen suchte den nächsten Intermarché auf, um Vorräte einzukaufen. Mein Französisch reichte gerade so noch aus, um Brot, Käse, Butter, Wasser, Tee, Orangensaft und Apfelwein zu kaufen. Doch an der Kasse wäre ich ohne die Preisanzeige aufgeschmissen gewesen. Zurück im Zimmer tankte ich an Karos Seite noch etwas Energie für den kommenden Ausflug. Das Bild zeigt übrigens den Blick aus unserem Fenster.
Dieser führte uns per Straßenbahn in das einige Kilometer entfernte Chagall Museum. Oder so dachten wir uns das zumindest. Der Teil mit der Fahrt klappte ausgezeichnet, Karo nutzte wieder ihr Bauchgefühl für die Wahl der richtigen Haltestelle und der öffentliche Verkehr in Frankreich gefällt mir immer besser, allein weil man hier mit 1,50 Euro ans andere Ende der Stadt kommt, während man sich in Berlin kein Stück damit fortbewegen kann. Das Museum hingegen war weniger freundlich, denn es war einfach zu und wird es auch noch bis 2016 bleiben. Es scheint Karo einfach nicht vergönnt zu sein, denn vor ziemlich genau vier Jahren stand sie hier bereits schon einmal vor verschlossenen Türen. Allerdings im strömenden Regen – ein Schicksal, dass uns bisher erspart blieb, denn bis zum Mittag schien noch die Sonne und seitdem ist es nur leicht bewölkt, bei ca. 20°C. 
Statt Chagall zu sehen, pausierten wir im anliegenden Café und aßen – ja, nächstes Klischee – Crêpes. Um den Weg nicht umsonst gemacht zu haben, wanderten wir weiter Richtung Musée Matisse. Hätte man sich meiner Meinung nach allerdings sparen können, denn so spannend war es nicht, die Räume eher karg eingerichtete und der Fakt, dass es nicht mal englische Erklärungen gab, machte es auch nicht spannender.
Der nächstes Teil des Tages war dem Parc du Château gewidmet,
der sich auf einer Felsnase (wie es im Reiseführer heißt) über Vieux Nice (also der Altstadt) befindet, von wo aus man einen bezaubernden Panoramanblick auf die Promenade Anglais und die vielen Einkaufstraßen auf der einen und den Hafen auf der anderen Seite hat. Der Park eignet sich auch wunderbar, um Hunde und Kinder zu beobachten, denn davon gibt’s dort schiere Unmengen. In allen Formen, Größen und Farben. Und auch etwas obszöne Menschen, auf die ich an der Stelle nicht weiter eingehen werde. Der Marsch den Park entlang diente schon einmal dem Vorgeschmack auf unsere Wandertouren auf Korsika, die ich kaum noch erwarten kann.
Den ersten Teil des abends verbrachten wir mit aufgewärmten Ravioli auf dem Balkon, wo wir in aller Seelenruhe Fledermäuse beobachten konnte. Und Menschen. Und Autos. Jede Menge Autos mit Blaulicht, die mich schon letzte Nacht um den Schlaf brachten. Möge die nächste ruhiger werden – auch wenn ich nicht daran glaube. Jetzt liegt Karo im Bett und liest, während ich die letzten Zeilen für euch tippe. Unten wird es gerade laut, sehr laut. Es ist die Müllabfuhr – um 22:30 Uhr!!!
Mein Eindruck von Nizza ist recht zwiegespalten. Auf der einen Seite gibt es wirklich nette, Gässchen, mit bunten Häusern und interessanten Laternen. Aber ganz ehrlich, da hatte Avignon mehr zu bieten. Im Hafen liegen unendlich viele Segelboote, die mir wahnsinnig gut gefallen, daneben aber hässliche, futoristisch wirkende Yachten, die vermutlich mehr kosten, als ich je in meinem Leben verdienen werde. Die Leute sind erst einmal abweisend, wenn sie merken, dass man Tourist ist, blühen dann aber auf, wenn man sich auf französisch versucht. Das Meer ist unfassbar blau und ich hoffe, irgendwann noch immerhin meine Füße reinstecken zu können. Aber auf der anderen Seite stinkt es überall bestialisch nach Urin und Schlimmerem. Ich will nicht sagen, dass der Urlaub hier verschwendet ist, überhaupt nicht. Aber das nächste Mal würde ich mir ein anderes Ziel aussuchen. Auch bin ich mir sicher, dass Korsika noch einmal viel schöner wird.

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