Bicycle! 

Den heutigen Tag in Worte zu fassen, fällt mir dieses Mal wahrlich nicht leicht, so wunderbar war der Ausflug. Versuchen wir es mal mit ein paar Fakten: 

Kurz vor zehn ging es mit dem Bus nach Tavistock, das rund eine Stunde von Plymouth im Nationalpark Dartmoor liegt. Mein Wetterbericht versprach uns 18°C und Wolken, Karos Bericht erzählte von Regen. Leider hatte Karos Recht und bereits im Bus sahen wir die ersten Tropfen. Daraus entwickelte sich recht bald ein heftiger Sprühregen, der uns aber nicht davon abhielt, Fahrräder zu mieten und uns damit auf eine Tour durch Dartmoor zu begeben, die vom Reiseführer empfohlen wurde. Um dorthin zu kommen, mussten wir leider eine Weile an der Landstraße entlang fahren, was ein mächtig merkwürdiges Gefühl ist, wenn man zum ersten Mal in einem Land mit Linksverkehr mit einem Fahrzeug jeglicher Art unterwegs ist. Als wir am Startpunkt der eigentlichen Route ankamen, waren wir bereits ordentlich durchnässt, doch dank der Regenjacken blieb immerhin der Oberkörper verschont. Frierend saßen wir mittags in einer Art Gasthaus, aßen Scones, tanken Tee und sammelten Kräfte für die bevorstehende Runde.

Währenddessen wurde es draußen schon wieder etwas heller und als wir vollgestopft das Haus verließen, hatte der Regen schon fast vollständig aufgehört. Was uns nun erwartete, war ein absoluter Traum. Denn mehr und mehr Sonne ließ sich blicken und zeigte eine wunderbare Natur von ihrer schönsten Seite. Ich zeige euch einfach ein paar Bilder, damit ihr seht, was ich meine. 

Wir planten so, dass wir solange fahren, bis wir die Hälfte der sechs uns zur Verfügung stehenden Stunden unterwegs waren, um dann kurz zu campieren und anschließend wieder auf den Heimweg zu machen. Die Strecke fuhr sich ganz fabelhaft, was natürlich zu großen Teilen an den geteerten Wegen liegt, aber ebenso diesen grandiosen Fahrrädern zuzuschreiben ist. Diese Mountainbikes sind das Beste, was ich je gefahren bin und ich fahre sehr viel Fahrrad. So leicht, so wenig Reibung am Boden, so viele Gänge. Ich liebe diese Räder noch mehr als den Citroën letztes Jahr auf Korsika! Sie fuhren quasi ganz allein (und nein, es waren keine E-Bikes), sodass bergauf bei einer 45° Steigung tatsächlich zu bewältigen sind von mir Stadtkind. 

Etwa 75 Minuten vor Schließung des Fahrradverleihs waren wir wieder an unserem Startpunkt. 45 Minuten Fahrzeit prognostizierte Googlemaps, also alles ganz entspannt. Doof nur, dass der vorschlagene Pfad so schlammig war, dass das Befahren nicht in Frage kam. Also außenrum die Landstraße entlang, die sehr, sehr, sehr lange Landstraße entlang. Die Zeit verstrich und wir schienen uns dem Ziel nicht zu näheren. Die Steigungen wurden auch immer fieser (oder vermutlich kam es mir wegen des Zeitdrucks nur so vor, aber auf jeden Fall ließen die Kräfte nach). Was für ein Kampf die letzten Kilometer. Doch Karo schaffte es dann wirklich, uns fünf Minuten vor der Deadline wieder zum Verleih zu lotsen. Einmal mehr sind wir zu Schweißschwestern vereint. 

Pünktlich zum Länderspiel Deutschland gegen Finnland waren wir wieder zu Hause. Die Klamotten waren weitestgehend getrocknet und nur meine Socken und Schuhe erinnerten noch an den Regen von heute Mittag, weshalb ich die Busfahrt über nur mit in Tavistock gekauften Strümpfen saß und die Schuhe ausdampfen ließ. Die neuen Socken haben flauschige Schafe drauf, die mich wohl noch lange an diesen Tag erinnern werden. 



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