Wie erwartet, weckte und alle der Ruf des Muezzin heute Morgen. Aber das ist okay, gehört eben dazu. Frühstück gab es im Hotel dieses Mal nicht am Buffet, sondern pauschal für alle die gleichen Dinge am Tisch serviert. Kurz vor neun trafen wir uns in der Lobby, um zur Ranch de Diabat zu fahren, allerdings nicht zum Reiten, sondern zum Quadfahren. Jeweils zu zweit fuhren wir eine Stunde durch die Dünen und den Strand entlang. Nach der Hälfte der Zeit wechselten die Fahrer:innen. Ich fing an und Dennis saß hinter mir, dann übernahm er die Steuerung und ich nahm hinter ihm Platz. Er war nicht meine erste Quadfahrt, aber Spaß gemacht hat es wie beim ersten Mal. Richtig genossen habe ich es allerdings als Beifahrerin mehr, weil ich da einfach nur alle Eindrücke auf mich einprasseln lassen konnte, den Geruch von Meer, den Wind, den feinen Sand in der Luft und einfach die Aussicht.





Rund um Essaouira sieht man immer wieder kleine Zeltlager in den Dünen oder auf den Feldern. Auf den ersten Blick wirken sie wie einfache Behausungen, doch sie erzählen viel über die alten und neuen Lebensweisen im Land. Ein Teil dieser Menschen gehört zu den Nachfahren der Berber- bzw. Amazigh-Nomaden, die seit Jahrhunderten zwischen Küste, Atlasgebirge und Wüste umherziehen. Ihre Lebensweise war stets vom Rhythmus der Natur bestimmt: Sie wandern mit ihren Ziegen, Schafen oder Dromedaren dorthin, wo es gerade Wasser und Weide gibt. In der kargen Landschaft der Atlantikküste finden sie im Winter milde Temperaturen und Futter, während sie im Sommer oft in höhere Bergregionen ziehen. Die typischen Nomadenzelte bestehen aus dunklem, gewebtem Ziegenhaarstoff, der Sonne und Regen trotzt, oder aus einfachen Planen und Decken. Meist stehen daneben kleine Herden, Esel, Wassertanks oder Kanister, manchmal auch eine improvisierte Feuerstelle. Viele Familien leben halbnomadisch – also nur einen Teil des Jahres auf Wanderschaft, den Rest in festen Häusern in den Dörfern. Doch heute verschwimmt die Grenze zwischen Nomadentum und Armut. Manche Zeltlager gehören nicht mehr zu wandernden Hirten, sondern zu Familien, die sich schlicht keine feste Unterkunft leisten können. Steigende Mieten, Arbeitslosigkeit und Dürre haben viele in provisorische Camps gedrängt. Was von außen aussieht wie ein Stück uralter Kultur, ist für manche längst ein Überlebensort geworden – zwischen Tradition, Not und der Suche nach einem Zuhause.

Im Anschluss hatten wir noch mal zwei Stunden Zeit, durch Essaouira zu spazieren und die Medina auf uns wirken zu lassen. Wer in Marokko nur Zeit für eine Stadt hat und sich eine typische Altstadt anschauen möchte, ist hier genau richtig. Es ist voll, ja, aber nicht so schlimm wie in anderen. Es ist bunt und wuselig, aber man findet sich zurecht. Im Vergleich zu anderen Städten ist Essaouira gut erhalten und sauber. Im Vergleich… Wir durften sogar eine Parade miterleben. Heute feiert Marokko den „Tag des Grünen Marsches“, einen der wichtigsten Nationalfeiertage des Landes. Am 6. November 1975 rief König Hassan II. rund 350.000 Marokkaner:innen dazu auf, friedlich in die damals spanisch verwaltete Westsahara zu marschieren, um das Gebiet symbolisch für Marokko zu beanspruchen. Der Marsch war ein politisches Signal und gilt bis heute als Wendepunkt in der Geschichte des Landes. Überall im Land wird an diesem Tag die Einheit und der Zusammenhalt gefeiert – mit Flaggen, Musik und Reden. Auch in kleineren Städten wie Essaouira hängen die rot-grünen Fahnen an den Straßen, und viele Menschen sprechen mit spürbarem Stolz über diesen Moment der nationalen Geschichte.











Während ich das hier schreibe, bin ich bereits wieder in Marrakesch, in einem Luxus Ressort. Und was das für ein Luxus ist! Ich teile ja nur noch selten Bilder der Unterkunft, aber das müsst ihr sehen. Ich wohne diese und nächste Nacht in einem Duplex, also in einem Zimmer, dass über zwei Etagen geht. Ist auch alles sauber und recht gut erhalten, hier und da ein bisschen was kaputt, aber für Marokko absoluter Luxus. Verwirrt hatte mich nur die Zimmernummer, denn mit 1xx würde ich auf der ersten Etage des Hotels suchen, doch als ich im Fahrstuhl stand, ging es erst bei Etage 2. Als ich dann bei der Rezeption nachfragte, erhielt ich die Info: ground floor, also Erdgeschoss. Bei einem Zimmer, dass über zwei Etagen geht, ergibt das natürlich auch total Sinn. Ich habe sogar eine kleine Terrasse! Und zum ersten Mal seit Langem habe ich eine Couch, auf der ich liegen kann und muss mich zum Schreiben nicht aufs Bett legen (nach den langen Busfahrten bevorzuge ich immer das Liegen). Gleich geht’s los zur Medina, vielleicht melde ich mich danach noch mal.





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