Abend in Essaouira

Lang wurde diskutiert, wann, wie, wo wir Abendessen zu uns nehmen würden. Letztendlich teilte sich die Gruppe auf. Zunächst war ich noch mit unserer Koordinatorin allein unterwegs, wir schauten den Fischmarkt und die vielen Gassen der Medina an, die komplett autofreie ist, allein deshalb, weil die Gassen viel zu schmal sind. Diese Medina-Erfahrung war bei weitem angenehmer als die erste. Hier scheint in erster Linie nur Zeugs verkauft zu werden, dass auch hier oder in der Umgebung produziert wurde, nicht irgend ein billiger Scheiß, den man auch in Berlin in einem 1-Euro-Ramschladen bekommt. Es ist voller Gewürze, Düfte, Holzkunst, grwebten Teppichen, Ölen, Kleidung… Essaouira hat sogar eine der bekanntesten und am besten erhaltenen Medinas Marokkos und gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Typisch sind die engen, verwinkelten Gassen, die weißen Häuser mit blauen Türen und Fenstern sowie die kleinen Läden und Werkstätten. Anders als in Marrakesch oder Fès wirkt Essaouiras Medina aber viel ruhiger und entspannter – man kann dort also ganz gemütlich durch die Straßen schlendern, ohne ständig angesprochen zu werden. Die Medina ist außerdem von einer alten Stadtmauer umgeben, die noch aus der portugiesischen Zeit stammt, als Essaouira (damals Mogador genannt) ein wichtiger Handelshafen war.

In reduzierter Runde landeten wir dann in einem kleinen Restaurant namens Hugo, das zufällig von einer deutschen Kellnerin bedient wird. Von ihr und ihrem marokkanischen (?) Mann, begleitet von zwei zuckersüßen Kindern (und in der Küche steht wohl eine alte marokkanische Dame am Herd und hat das Sagen). Dadurch traute sich die Gruppe auch mal an exotischere Gerichte ran. Für mich gab es nur einen hausgemachten Joghurt, der aber auch prima schmeckte. Das war mal die Sorte Erfahrung, auf die wir alle hier gehofft hatten. Fernab von Tourismus, näher am echten Leben dran. Besonders recht wurde es, als ein Straßenmusiker uns mit einem eigenwilligen Instrument begleitete, was nach Saiteninstrument aussieht, aber nach Blasinstrument klingt. Zum Abschied bekamen wir von Kellner noch ein paar Raggae Songs auf der Gitarre gespielt, was das Ganze noch mal besonderer machte.



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