Wie es sich für ein Luxushotel gehört, gab es heute auch ein Luxusfrühstück. Bei Bedarf sogar mit individuell zubereitetem Omelett. Mit reichte allerdings der Joghurt völlig aus. Frisch gestärkt begann die Weiterfahrt um kurz nach neun, heute also alles mal etwas entspannter. Erster Halt des Tages: Taghazout, Surferparadies. Mustafa führte uns durch die Straßen der Stadt und anschließend an einen Strand außerhalb. Der Sand hier, wie auch in Agadir, ist so unfassbar weich. Keine Steinchen, so gut wie kein Müll, ein paar wenige Muscheln, aber vor allem heller weicher Strandsand am Sandstrand. Das nutzte ich aus für einen kleinen Spaziergang allein – auch weil ich eine Toilette suchte. Nach einer Weile wurde ich von einem Marokkaner angesprochen. Wir führten etwas Smalltalk (sein Sohn wohnt in München, wie ich erfuhr) und dann fragte er mich, ob ich einen Kaffee mit ihm trinken möchte. Ich musste aber wirklich dringend auf Klo und lehnte ab. Nicht weit entfernt lag ein Restaurant, bei dem ich einen Schlüssel für das Badezimmer erhielt. Zum Dank drückte ich dem Kellner 20 marokkanische Dirham in die Hand (etwa 2 Euro), der wollte aber, dass ich wartete… damit er mir Wechselgeld geben konnte, 150 Dirham. Absurd. Ich lehnte ab, aber er bestand drauf. Auf dem Weg zurück zur Gruppe sprach mich der erste Mann wieder an. Er wollte heute Abend mit mir ausgehen. Sehr höflich allerdings. Ich lernte erneut ab, die Gruppe wartete bereits auf mich. Er akzeptierte meine Antwort und wünschte mir einen schönen Tag und angenehmen Aufenthalt in Marokko. Er war wirklich überhaupt nicht aufdringlich und ich sehr geschmeichelt von seiner Einladung.









Auf dem letzten Bild hier seht ihr übrigens ein Schild, wie es hier nicht unüblich ist: dreisprachig. Das erste sind berberische Buchstaben, dann Arabisch und dann Englisch, auch wenn es sonst meist eher Französisch ist. Wenn wir schon bei Berberisch sind, möchte ich gern ein paar Worte zu den Ureinwohnern Marokkos erzählen. Die Berber – oder wie sie sich selbst nennen, Imazighen, was „freie Menschen“ bedeutet – leben seit Jahrtausenden in Nordafrika, lange bevor die Araber im 7. Jahrhundert kamen. Ihre Kultur ist tief mit der Natur, den Bergen und Wüsten verbunden, und ihre Sprache, das Tamazight, wird bis heute in verschiedenen Dialekten gesprochen. Viele Berber leben in den Atlasgebirgen oder in Oasenregionen, wo alte Traditionen wie Handwerkskunst, Musik und Nomadentum noch stark verwurzelt sind. Auch wenn der arabische Einfluss im Laufe der Geschichte dominanter wurde, prägen die Imazighen bis heute das kulturelle Gesicht Marokkos: stolz, gastfreundlich und voller Geschichten.
Viel Zeit blieb uns nicht, denn wir hatten noch etwas vor: ein Besuch bei einer Cooperative, wie sie es hier nennen, ähnlich wie gestern mit dem Safran, nur heute gab es Öl. Genauer genommen Arganöl. Arganöl wird aus den Kernen der Früchte des Arganbaums gewonnen, der fast ausschließlich im Südwesten Marokkos wächst. Die Herstellung ist aufwendig: Die harten Nüsse werden von Hand aufgeschlagen, die Kerne geröstet (für Speiseöl) oder kalt gepresst (für Kosmetik). Das goldene Öl gilt als „flüssiges Gold Marokkos“ – reich an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren, wird es sowohl für Haut- und Haarpflege als auch in der Küche verwendet und ist ein wichtiges Einkommens- und Kulturgut der Berberfrauen, die die traditionelle Herstellung bewahren. Besonders schön fand ich den Empfang der Damen, die das Öl herstellen, denn die sangen und trommelten zunächst ein traditionelles Berberlied für uns.





Und nun sind wir in unserer Unterkunft in Essaouira angekommen und lassen den Abend ruhig angehen. Ich bin mal gespannt, wie sanft ich morgen früh aus dem Schlaf gerissen werde, denn anscheinend ist direkt neben meinem Fenster ein Lautsprecher, über den der Ruf des Muezzin zu hören ist. Kurz vor Sonnenuntergang erklingt der erste Ruf, zwei Stunden nach Sonnenuntergang der letzte. Für die, die das (noch) nicht kennen: Der Ruf des Muezzins, der Adhān, ist ein fester Bestandteil des islamischen Alltags. Er ertönt fünfmal täglich, jeweils kurz vor den Gebetszeiten – vor Sonnenaufgang, mittags, am Nachmittag, bei Sonnenuntergang und am Abend. Der Muezzin spricht oder singt dabei einen traditionellen arabischen Text, der die Gläubigen an das Gebet erinnert. Der Wortlaut ist im Kern überall gleich, nur die Melodie und der Stil unterscheiden sich je nach Region und Muezzin. In Marokko wird der Ruf meist über Lautsprecher von der Moschee aus übertragen und ist besonders in den frühen Morgenstunden deutlich zu hören. Früher diente er dazu, die Menschen in den Dörfern und Städten zu informieren, heute ist er vor allem ein Zeichen lebendiger religiöser Tradition.



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