Rock the Casbah

Die Nacht im Zelt war tatsächlich gar nicht mal so schlimm wie befürchtet. Während die Gruppe noch bis ein Uhr morgens am Lagerfeuer saß, ging ich schon um zehn ins Bett, weil die vorherigen Nächte einfach zu kurz waren und wir heute um 5:30 Uhr schon beim Frühstück sein mussten. Es hieß, in der Wüste ist es nachts bitterlich kalt, aber ich hatte nur einen dünnen Schlafsack und habe geschwitzt. Andere hingegen froren tatsächlich. Ich habe definitiv zu viele Schichten Klamotten mitgenommen, die ich nicht benötigt habe. Aber lieber so als andersrum. Kurz nach sechs warteten schon die Dromedare auf uns. Das war dann doch etwas schmerzhaft, wieder aufzusteigen, nachdem Körper und Hintern von gestern noch so wund waren. Aber auch das habe ich schon wesentlich schlimmer erlebt. Grund fürs frühe Aufbrechen war der Sonnenaufgang, den wir auf den Tieren mitten in der Wüste zu bewundern gedachten. Und ich muss schon sagen, schön wars. Wirklich schön. Und kitschig. Aber vor allem eindrucksvoll und besonders.

Danach ging es weiter Richtung Agdz. Wieder das übliche Wechselspiel aus Pinkelpausen und langen Fahrten, doch daran bin ich langsam gewöhnt. Und dank der tollen manuellen Therapie, die ich kurz vor der Reise noch gemacht habe, sogar komplett schmerzfrei. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder lange im Bus sitzen können, ohne Schmerzen, eine ganz neue Lebensqualität! Zur Mittagspause saßen wir auf der Terrasse eines Restaurants mit ganz passablem Ausblick:

Kurz vor Agdz hielten wir an der Kasbah des Caids in Tamnougalt. Die weitläufige Festungsanlage aus Stampflehm stammt aus dem 16. Jahrhundert und war einst Sitz des Stammesführers der Region. Noch heute kann man durch enge Gänge, Höfe und Türme laufen und einen Eindruck davon bekommen, wie hier früher Macht und Alltag nebeneinander existierten. Um die Lehmmauern stabiler zu machen, wurden hier überbringen unter anderem Eier gewendet. Riechen tut man das allerdings nicht.

Nun sind wir in Agdz angekommen und haben unsere Unterkunft in einem Riad bezogen. Ich muss sagen, mir Abstand die Beste bisher dieser Reise. Abseits der Stadt, alles schön grün, ruhig, sauber, grün, gut erhalten, grün, bequem und grün. Das hier ist der Blick aus meinem Fenster:

Ein Riad ist ein traditionelles marokkanisches Haus mit einem Innenhof oder Garten in der Mitte. Diese Bauweise sorgt für angenehme Kühle und Privatsphäre, nach außen meist schlicht, nach innen oft kunstvoll verziert mit Fliesen, Bögen und Pflanzen. Viele Riads wurden heute zu kleinen Gästehäusern umgebaut, die Reisenden einen Einblick in marokkanische Wohnkultur geben.



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