Wie gestern bereits angekündigt, haben wir gestern eine Nacht der Stille verbracht. Konkret sah das so aus, dass wir erst noch Atemübungen (breath work) und Reiki (Energiearbeit – fragt nicht) mit Aoife gemacht haben, die zwar selbst Teilnehmerin des Retreats ist, aber ihr eigenes holistisches Unternehmen gründet und nächstes Wochenende ihren ersten eigenen Workshop veranstaltet. Somit waren wir jetzt ihre Testgruppe. Mein Ding ist es ja nicht, aber es mag für andere was Bereicherndes sein. Ich will hier nicht urteilen. Anschließend machte Vicky mit uns noch eine Stunde Yoga und beim Verlassen des Yoga Studios hieß es dann: Schweigen. Das Abendessen verlief daher in angenehmer Stille. In Anbetracht der Tatsache, dass die Ladies, mit denen ich hier den Retreat gemeinsam mache, sehr gern und laut quasseln, vor allem viel lachen. Was grundsätzlich erstmal nichts Schlimmes ist, aber da es eher ein soziales Lachen ist als ein Humorlachen, gestaltet sich das für mich recht oft als Herausforderung und somit war die Zwangspause ein wahrer Segen. Ich möchte hier auch kein schlechtes Wort über meine Mitmenschen verlieren, es ist ja mein Ruhebedürfnis und meine persönliche Herausforderung mit dieser Art von Sozialverhalten. Aber umso mehr wusste ich diese Stille zu schätzen, auch wenn sie mir auf Dauer vermutlich auch nicht bekommen wäre, denn so ganz allein mit seinen Gedanken, ohne Ablenkung und auch ohne die Möglichkeit, die Gedanken in schriftliche Worte zu fassen, erreiche ich dann auch recht bald meine Grenzen. Trotzdem eine ganz wunderbare Erfahrung. Es ist einfach bemerkenswert, wie ich plötzlich auf Dinge um mich herum aufmerksam wurde. Die Fliege vor mir auf dem Tisch, die sich die Füße putzte. Die tickende Uhr im Wohnzimmer, die ich vorher nie bemerkt hatte. Mir fiel auf einmal ein Schild mit einem Schwein in der Küche auf. So viele Kleinigkeiten. Wirklich beeindruckend!
Ab dem Frühstück ging das Gequassel dann wieder los und auch ich genoss es, wieder zum Handy greifen zu dürfen und mich mit meinen Liebsten austauschen zu können. Nach dem Frühstück fuhr Vicky uns zum Playa de El Puertillo, wo wir gemeinsam Yoga machten und danach Zeit für Strand und Baden hatten. Ich hingegen gesellte mich lieber zu Vicky und nutzte die Gelegenheit, mit ihr endlich einen Cafe cortado leche y leche zu trinken. Den hatte mir Noemi letzte Woche schon empfohlen, als etwas, man die Menschen hier auf den Kanaren besonders gern trinken. Dabei handelt es sich auf einen mittelgroßen Kaffee, den man auf Kondensmilch (leche 1) gießt, was dann noch mit normaler Milch (leche 2) auffüllt. Erinnert mich sehr an vietnamesischen Kaffee.



Im Anschluss fuhren wir nach Arucas, einer superschönen Stadt mit einer ungewöhnlichen Kirche (Parroquia de San Juan Bautista de Arucas) aus dem frühen 20. Jahrhundert.






Wieder zurück in unserer Unterkunft hatte José bereits eine wunderbare Meeresfrüchte Paella vorbereitet, die wir im Essensraum außerhalb der Unterkunft aßen. Nach der Siesta erwartete uns eine ganz… ähm… interessante Erfahrung: ein Klangbad (Sound bath). Eine Lady kam zu uns, der Name ist mir nicht bekannt und tut auch nichts zur Sache, die ihre Klangschalen und ähnliche fiese Instrumente dabei hatte. Und ich sag mit Absicht fies, weil die Vibration der Geräte mir in den Ohren wehtat und wirklich schlechte Laune bereitete. Zum Glück folgte im Anschluss eine halbe Stunde Yoga Nidra mit Vicky, das mich in einen absoluten Zustand der Glückseligkeit versetzte. Mein Sankalpa, meinen Vorsatz, möchte ich lieber nicht mit euch teilen, aber es war wahnsinnig beeindruckend, wie sehr mich meine eigenen Worte bewegt haben. Diese Form des Yoga bedarf keiner Asana (Posen), findet quasi nur im Kopf statt. Das könnte ich mir tatsächlich vorstellen, in meinen Alltag einzubauen.


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