Nach wie vor gehen mir unendlich viele Gedanken und Gefühle durch Kopf und Geist, daher fällt mir der Bericht heute etwas schwerer. Aber sei es drum, ich werde mich einfach Stück für Stück am heutigen Tag abarbeiten.
Meine Unterkunft hier in Puerto de la Cruz (oder um ganz korrekt zu sein in Los Realejos) ist so ziemlich die ruhigste Unterkunft, in der ich je übernachten durfte. Klar hört man mal draußen ein Auto, aber da ich hier so abgelegen wohne, kommt das eher selten vor. Und Menschen gibt es auch, von denen man hin und wieder was mitbekommt. Aber die benehmen sich ganz anständig. Was ich nachts höre, ist eigentlich nur der Kühlschrank, wenn der grad mal brummt, ansonsten ist es totenstill und ich liebe es. Umso sonderbarer, dass mich heute Morgen ein seltsamer Krach weckte. Als ich aufstand, stellte ich fest, dass draußen ein heftiger Regensturm tobte. Der an sich wäre vermutlich nicht so laut gewesen, aber der Wind schlug die Türen des Terrassenschranks immer wieder auf und zu. Aber da es immerhin schon um 7 war, entschied ich, einfach noch eine Weile auf der Couch zu fläzen und zu zocken, bevor ich dann pünktlich halb neun zur Akademie aufbrach.

Die Stimmung heute war seltsam. Alle waren irgendwie ruhiger, in sich gekehrter. Eine Stimmung, die auch Adriana auffiel und die ihr offenbar Unbehagen bereitete. Trotzdem zog sie nach bestem Wissen und Gewissen ihren Unterricht durch, doch es war deutlich, dass sie zum Ende kommen wollte. Ich kann es ihr nicht verübeln, schließlich kenne ich selbst die Situation, man steht da vorn und erzählt was und es kommt nichts zurück. Nur Schweigen. Eine echte Herausforderung. Und so schlossen wir nur noch unsere letzte Lektion zum Thema kognitiver Verzerrung ab und ich ertappte mich bei recht vielen Punkten wieder, an denen ich noch arbeiten sollte/könnte/möchte. Gleichzeitig bin ich aber auch ein bisschen stolz, weil mir bei anderen Punkten bewusst wurde, wie viel ich auch schon geschafft habe und was ich jetzt einfach besser mache als früher. Die Stimmung hellte sich dann aber deutlich auf, als wir in einer Übung unsere Gefühle malen durften. Meine sahen übrigens so aus:

Zum Ende erhielt jede:r noch ein Glas Sekt und eine Urkunde, dann wurde noch ein Abschiedsgruppenfoto geknipst und damit war der offizielle Teil auch schon vorbei. Um das Ganze aber noch abzurunden, führte Adriana uns noch in den Botanischen Garten, der direkt neben der Akademie liegt, und leitete uns durch eine letzte Meditation (zum Glück inzwischen wieder bei Sonnenschein). Dann nahm sie Abschied, bedankte sich sehr herzlich und ging. Alle saßen noch da, irgendwie in der Luft hängend. Was nun? Ja klar, es war vorbei, jede:r konnte nun wieder seiner/ihrer Wege gehen. Aber ohne es auszusprechen war es deutlich, dass alle noch ein paar Momente brauchten.


Auch wenn ich die letzten Tage die Zeit für mich immer sehr genossen habe, heute wollte ich dann doch lieber nicht allein mit meinen Gefühlen nach Hause fahren, daher schloss ich mich Anne, Theresa und Laura an, die noch zum Playa El Bollullo östlich von Puerto de la Cruz wollten. Gemeinsam aßen wir dort im Restaurant Paella, tranken Sangria und verbrachten dann noch eine Weile am Strand.






Anschließend fuhr ich den Mädels noch zu ihrer Unterkunft, kaufte ein und fing an, diesen Blogbeitrag zu schreiben. Und genoss ein letztes Mal den Anblick von meiner Terrasse.


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