Wasser fällt

Ich habe mir sagen lassen, es sei so üblich, dass es hier in der Region viel regnet. Leider erst, nachdem ich angekommen bin. Ich bin ja echt kein Mensch, der sich durch das Wetter großartig die Laune verderben lässt. Aber dieser Niederschlag geht mir hier doch langsam auf den Senkel. Und zwar so richtig. Mal hier und da ein paar Tropfen, klar, kein Problem. Auch brauche ich keinen ständigen Sonnenschein. Aber so komplett durchweicht wandern zu gehen, ist irgendwie echt nicht das Gelbe vom Ei. Aber die ganze Zeit in der Bude hocken, dafür müssen wir nicht 650km in den Süden fahren. Heute haben wir das Beste draus gemacht und uns die Kuhfluchtwasserfälle angeschaut, die rund eine Stunde östlich unserer Unterkunft liegen. Bzw. fließen. Zumindest in meiner inneren Karte ist es östlich. Ich muss gestehen, dass ich hier pausenlos die Welt (oder zumindest das Tal samt Berge) im Kopf um 180 Grad in die falsche Richtung drehe. Naja, auch egal. Also zumindest sind die Wasserfälle hier in der Nähe. Als wir schon am entscheidenden Schild ankamen, dass die Fälle anpreist, meinte Karo, es sei ihr zu kurz, sie wolle erst noch eine Runde drehen. Diese Runde stellte sich dann allerdings als eine ganz andere Route heraus als gedacht. Und so waren wir einfach nur nass und kalt und dann nach zwei Stunden (oder einer oder fünf??) wieder am Ausgangspunkt. Gesehen hatten wir… Nichts. Naja, stimmt nicht ganz. Schöne Natur. Aber irgendwie nicht so besonders wie gedacht.

Na gut, dann also jetzt zu den Wasserfällen. Leider war ich schon so ausgelaugt und nass und wanderunwillig, dass mir der Anstieg nach einer Weile echt zu viel wurde. Und es ging immer noch weiter und weiter und weiter. Irgendwann dachte ich, so, chic, der Wasserfall ist doch ganz beeindruckend. Wie schön, dass ich das noch geschafft habe.

Brille beschlagen und voller Tropfen, Beine schwer, Magen knurrt, endlich nach Hause. Aber nein, das war noch nicht das Ende vom Lied. Denn sehr steile Treppen führten noch weiter nach oben. Aber nein, nicht für mich. Unter anderen Bedingungen hätte ich das sehr gern gemacht. Aber so? Karo hatte jedoch noch genug Elan, da sie sich immerhin in den letzten Tagen deutlich mehr ausgeruht hatte als ich – und seien wir ganz ehrlich, auch eine bessere Kondition hat. Offenbar lohnte sich der Aufstieg sehr, zumindest schwärmte sie mir noch den ganzen Rückweg davon, was für ein toller Anblick und Ausblick es doch gewesen sei. Sei es ihr gegönnt.

Den Abstieg konnte ich dann nun deutlich mehr genießen und dabei den Verlauf der Kuhflucht besser beobachten.



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