Klamm

So vielversprechend fing der Tag an. Sonne, Sonne, Sonne. Mit Ungeduld wartete ich zwei Stunden, bis Karo endlich wach und bereit zum Frühstück ist. Das dauerte heute mal etwas länger und nach einigem Herumdrucksen verriet sie mir, dass sie sich heute nicht für genug für die geplante Wanderung fühlt. Aber das Wetter! Nun gut, also packte ich meine Siebensachen und machte mich allein auf den Weg. Aber wohin? Wir hatten einen Plan, aber den können wir an einem anderen Tag durchführen. Daher musste ein neuer her. Kurzentschlossen fuhr ich daher nach Garmisch-Partenkirchen, denn dort in der Nähe soll eine voll schöne und beeindruckende Klamm liegen. Ich wusste zwar bis heute nicht 100%ig, was genau das ist, aber die Bilder der recherchierten schienen vielversprechend. Hm, aber was nun? Das Navi schickte mich zwar ganz überzeugt die eine Straße entlang, doch ist diese für den öffentlichen Verkehr nicht zugelassen. So ein Mist! Laufe ich nun die restliche Strecke? Na mal schauen, wie weit ich komme. Aber ach, da fährt ja eine Seilbahn. Wie witzig, von der Seilbahn aus führt eine Wanderung genau zur Klamm. Wie passend.

So sei es. Ich nahm die Seilbahn, orientierte mich eine Weile oben an der Bergstation und dann ging es los Richtung Klamm. Der Weg führte mich durch Wald und Wald und nochmal Wald. Aber zwischen den Bäumen hindurch konnte ich immer wieder einen Blick auf die dahinterliegenden Alpen werfen. Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichte ich dann eine Lichtung. Eine Alm? Eine Stelle ohne Bäume. Dafür mit Kühen und Ziegen. Und endlich einem freien Blick auf die Berge.

Der freie Blick war jedoch nur von kurzer Dauer, was aber gar nicht schlimm war. Denn die Klamm kam immer näher, was sich vor allem am nassen Boden und der hohen Luftfeuchtigkeit bemerkbar machte. Erwähnte ich schon, dass ich meine Wanderschuhe im Auto vergessen hatte? Ja, vor lauter Spontanität bin ich Narr mit meinen Sommerschuhen losgelaufen. Aber es hätte schlimmer sein können. Es ist Jahre her, doch in unserem Österreich Urlaub damals hatte ich die erste Wanderung noch mit Flipflops gemacht. Es war so heiß und ich so jung und naiv. Dieses Mal waren die Schuhe deutlich fester, nur der Halt reichte nicht immer ganz aus. Aber was soll’s, es ist nichts. Auch nicht, als der Pfad schmaler, steiniger und flüssiger wurde – teilweise hatten sich Bächlein den Pfad des geringsten Widerstands gesucht, welcher sich der meine war. Aber endlich konnte ich einen ersten Blick auf die Klamm und die vielen Mini-Wasserfälle werfen.

Als ich endlich am Eingang der Klamm angelangt war, wurde mir bewusst, dass ich ich wohl nicht die einzige bin, die sich für derlei Sensationen interessiert. Ich musste mich zunächst an einer langen Schlange anstellen, bis ich endlich hinein durfte. Auch drinnen ging es nicht schneller voran, denn Menschenmassen verstopften den Pfad entlang des Wassers. Aber umso mehr Zeit für mich, diese wunderbare Natur zu genießen.

Entsprechend klamm kam ich am Ende wieder raus und gönnte mir erst einmal einen wärmenden Latte Macchiato. Nun war es auch nicht mehr weit zum Auto. Gerade mich rechtzeitig kam ich zuhause an, bevor erneut ein heftiger Regen aufzog. Glück gehabt!



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