Nicht erst heute frage ich mich, warum mich diese Gruppe so sehr frustriert hat, mit der ich die Woche Bildungsurlaub verbracht habe. Schon in der ersten Übung war da dieser Widerstand – nicht nur in mir, sondern vor allem in den Menschen, mit denen ich die Aufgaben bearbeiten sollte. Oder wollte. Sie melden sich für eine Woche „Empathische Kommunikation“ an – was, wie ich inzwischen weiß, schlicht die Gewaltfreie Kommunikation ist. Und dann lassen sie sich nicht darauf ein. Zumindest fühlt es sich so an. Ihr Ziel scheint zu sein, mit dieser Kommunikationsform andere von den eigenen Werten und Bedürfnissen zu überzeugen. In allen Übungen geht es nur um „die anderen“: Die machen Fehler, die sind schuld, die müssen sich ändern. Und nur wenn sich die anderen auf GFK einlassen, könne das überhaupt funktionieren. Die Welt sei schließlich, wie sie sei. Doch GFK beginnt bei uns selbst. Genau das ist ja die Chance, die diese Methode bietet: unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen. Und in Konflikten ein bisschen Leichtigkeit zu finden – nicht, indem wir Frust oder Wut wegwischen, sondern indem wir verstehen: Der andere Mensch ist selten böse. Meistens ist er verletzt, unsicher, überfordert oder fühlt sich nicht gesehen. Das bedeutet nicht, dass wir verantwortlich wären, das zu reparieren. Aber es nimmt uns etwas von dem Druck, ständig gegen die Welt anzukämpfen. Denn was haben wir davon, Groll festzuhalten? Es fühlt sich schwer an. Fest. Eng. Wenn wir ihn wahrnehmen, ihm zuhören und ihn dann auch wieder ziehen lassen, wird es leichter. Nicht perfekt, aber leichter. Jeder Mensch tut grundsätzlich das, wozu er in diesem Moment in der Lage ist. Auch Strategien, die wir nicht nachvollziehen können, basieren am Ende auf dem Versuch, ein Bedürfnis zu erfüllen. Diese Bedürfnisse sind universell. Nur die Wege, wie wir sie zu stillen versuchen, sind individuell – manchmal konstruktiv, manchmal komplett daneben. Ich kann mich natürlich über die Strategien der Menschen aufregen. Mir fällt es selbst schwer, wenn andere zu spät kommen, im Unterricht am Handy hängen, ständig am Thema vorbeireden oder bei jeder Frage nach Gefühlen nur „Der hat mich manipuliert“ antworten. Das frustriert mich, weil es meinen Werten widerspricht. Aber sobald ich mir das bewusst mache, wird es leichter. Ich kann mich daran erinnern, dass die Menschen eben tun, was sie gerade können. Das macht sie nicht zu schlechteren Menschen – so wie es mich nicht zu einem besseren macht, dass ich versuche, die Perspektive zu wechseln. Ich spiele damit meine Bedürfnisse nicht herunter. Ich erkläre sie nicht für weniger wichtig als die der anderen. Ich sorge nur dafür, dass ich mich nicht im eigenen Frust verhedderte. Ich werde diese Leute nie wiedersehen (hoffentlich), und ich habe nichts davon, wenn ich ihren Schatten mit mir herumtrage. Und vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieser Woche: Ich nehme Dinge weniger persönlich. Eigentlich bin ich jemand, der das Verhalten anderer schnell als Kommentar über sich verstanden, als mangelnde Wertschätzung, als Desinteresse, als irgendetwas, das mit mir zu tun hat. Dass ich als Person abgelehnt werde. Doch jetzt sehe ich eher die Bedürfnisse, die da aufeinanderprallen. Der Wunsch nach Ruhe trifft auf den Wunsch nach Austausch. Das Bedürfnis nach Klarheit stößt auf das Bedürfnis nach Leichtigkeit. Und manchmal bleiben wir einfach alle in unseren Strategien hängen. Wenn ich das so betrachte, fühlt sich die Welt weniger feindlich an. Weniger wie ein Spiegel, der mir ständig etwas über mich zurückmeldet. Mehr wie ein Raum, in dem Bedürfnisse nebeneinander existieren dürfen, auch wenn sie sich widersprechen. Diese Perspektive macht es leichter, nicht jedes Verhalten als Angriff zu lesen. Und sie macht es leichter, meinen eigenen Frust zu halten, ohne ihn zur Wahrheit über mich zu machen.
Um darüber zu sinnieren und mit dem neuen (Hör-)Buch von Sarah Kuttner zu beginnen, bin ich heute dem Vorschlag meines Gastgebers gefolgt und habe mir Punto del Hidalgo angeschaut. Mit dem Blick auf die Wellen und die atemberaubenden Berge im Hintergrund lässt es sich wahrlich ganz wunderbar denken.







Und was ich an Teneriffa so liebe, man sieht gefühlt immer den Teide, den großen Vulkan:


Und dabei liegen die beiden Orte doch recht weit auseinander.

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