7 Zwerge sollt ihr sein

Der letzte volle Tag des Retreats ist da, die erste Teilnehmerin verabschiedet sich schon heute Abend. Auch wenn ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, habe ich mich dann doch in die Gruppe integriert, was dann entsprechend den Abschied etwas emotionaler gestaltet. Aber das gehört nun einmal zu jedem Retreat dazu und ist eben auch Teil des Ganzes. Man schwört sich vielleicht noch ewige Freundschaft, aber nach ein paar ausgetauschten Nachrichten ist dann wieder Funkstille. Ist für mich aber völlig in Ordnung, weil dadurch eine ganz andere Beziehung zueinander entsteht, mit der ich inzwischen ziemlich gut klarkomme.

Nach Yoga und Frühstück führte uns José heute in die größte Schlucht der Insel, Barranco del Pino. Die reichlich fünf Kilometer lange Wanderung ging buchstäblich über Stock und Stein und war nichts für schwache Nerven. Oder Knie. Mehrere Höhenmeter auf und ab ging es, während José uns wieder spannende Details zu Flora und Fauna verriet. Von einem Punkt aus hatten wir einen ganz wunderbaren Blick auf unsere Unterkunft auf der anderen Seite der Schlucht. Ziel der Wanderung war ein rund 300 langer Tunnel, der vor über 100 Jahren die Wasserversorgung diesen Teils der Insel ermöglichte. Die letzten 700m waren für mich die größte Herausforderung, da hatten wir wieder eine heftige Steigung, die mich mehr als an meine Grenzen bringt. José wartete aber mit einer Engelsgeduld, während die anderen schon vorliefen.

Wusstet ihr, dass es auf Gran Canaria nur an einer Hand voll Tage im Jahr wirklich regnet? Dass es trotzdem so grün ist, verdankt die Insel so genanntem horizontalen Regen. Das bedeutet, dass die Wolken so tief hängen und eine so hohe Luftfeuchtigkeit vorherrscht, dass die Bäume das Wasser aus der Luft aufnehmen können. Dass es an Tagen wie heute war sehr warm, aber nicht unbedingt immer sonnig ist, liegt allerdings nicht nur an den Wolken, sondern oft auch am Saharasand, der sich in der Luft befindet. Den Tieren hier ist das egal, die fühlen sich wohl (vor allem, weil sie Essen und viele Streicheleinheiten bekommen).



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