Da Nizza nichts mehr zu bieten hatte, was wir noch unbedingt sehen mussten, fuhren wir heute mit dem Bus einfach mal, weil es so schön nah ist, zum nächstbesten Nachbarstaat. Nicht Italien, was meine erste Vermutung gewesen wäre, nein kurz davor liegt ja auch noch das klitzekleine Monaco, fünf 40 Minuten von Nizza entfernt. Die Fahrt an sich gestaltete sich – in meinen Augen zumindest – mal wieder etwas abenteuerlich, denn der Fahrer raste mit einer Geschwindigkeit die schmalen, kurvigen Klippenstraßen entlang, dass mir zwischenzeitlich doch etwas übel wurde. Passiert ist aber natürlich nichts.
In Monte Carlo stoßen wahrlich zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite
die High society mit ihren feinen Klamotten und schicken Autos, auf der anderen die häufig etwas einfachen Touristen. Nachdem wir es uns natürlich nicht nehmen ließen, uns das Casino (Kasino) anzuschauen – zumindest von außen – schlenderten wir dann durch die Straßen, um zum Casino (Supermarkt) zu kommen, um Proviant für den Tag zu kaufen. Vor uns an der Kasse, bezahlte eine Frau ihren 25 Euro Einkauf mit einem 500 Euro Schein. Den kannte ich noch gar nicht. Für die schien das aber nichts Besonderes zu sehen, wie man an ihren vier golden Visa Karten gut sehen konnte. Und an ihrem Outfit natürlich.
Nachdem wir uns am Hafen sitzend einen riesigen Flammkuchen geteilt und die
Füße ein wenig entspannt hatten, wanderten wir bergauf zum Palais des Königshauses Monacos,
welches wir uns jedoch nur von außen anschauten. Die davor stehenden und marschierenden Garden erinnerten mich sehr an London und den Buckingham palace. Was geht nur die ganze Zeit in den Köpfen der Männer vor, wenn sie auf und ab stolzieren? Und ist das ein beliebtes Karriereziel in Monaco bzw. England? Was passiert, wenn sie mal austreten müssen?
Vom Palast aus gingen wir weiter, durch kleine Gassen mit vielen Touristenshops, einer nach dem anderen, alle mit demselben Sortiment. Alles aber auch bisschen schicker als Nizza, vor allem aber auch weniger Gestank – wenn auch nicht ganz ohne. Ich denke, es lohnt sich mehr, sich die Bilder anzuschauen, als Texte zu lesen.
Die besondere Unternehmung des Ausflug war der Besuch im Oceanographischen Museum, ähnlich dem Ozeaneum in Stralsund, kleiner als das Ozeaneum in Lissabon, in jedem Fall aber ein paar andere Tierarten. Viele, viele Kinder
unterwegs, viele Menschen, die sich mehr mit ihrem Smartphone beschäftigten als mit den Fischen. Das Aquarium mit den Quallen stand gegenüber einer Bank und lullte mich gleichermaßen ein wie ein Lagerfeuer im Sommer. Wäre nicht als nächstes eine wunderschöne Wasserschildkröte an der Reihe gewesen, hätte ich noch stundenlang sitzen bleiben können. Schildkröte im nächsten Aquarium natürlich, nicht hinter mir stehend und sitzen wollend. 🙂 Auf der Dachterrasse des Gebäudes genossen wir bei Tee und Kaffee die
Nachmittagsmüdigkeit, auch wenn der Wind heftig durch die Haare wehte. Das mit dem Kaffee ist in Frankreich übrigens immer so eine Sache. Bestellt man einen solchen, bekommt man in der Regel einfach nur einen Espresso oder einen Kaffee in der Größe eines Espressos (so richtig schmecke ich den Unterschied nie heraus). Will man etwas mehr, bestellt man einen Café americain und erhält einen gesteckten französischen Kaffee. So etwas wie in Deutschland habe ich diesbezüglich noch nicht gefunden.
Für den Spätnachmittag sah unser Plan vor, den Bus Richtung Nizza zu nehmen und beim Bergdorf Eze Halt zu machen, da man von dort einen ganz wunderbaren Panoramablick über Monaco hat. Doch da es beim besteigen des Busses bereits dämmerte, entschieden wir uns dazu, sitzen zu bleiben und gleich den Heimweg anzutreten. Wie sich herausstellte, war dies auch genau die richtige Entscheidung, da bei Eze eine große Gruppe Jugendlicher dazustieg, die offenbar schon eine Weile auf den Bus gewartet hatten und den Bus so sehr füllte, dass zehn bis fünfzehn Touristen draußen bleiben und auf den nächsten Bus warten mussten, der zwei Stunden später fuhr – der letzte des Tages.
Zurück in unserem Zimmer aßen wir die mittags gelaufen Sandwiches auf unserem Balkon und ließen uns wieder vom Licht der gegenüber liegenden Apotheken Werbung hypnotisieren.




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