Ikonen

Was einem in orthodoxen Kirchen meist zuerst ins Auge fällt, sind zweifelsfrei die vielen Ikonen, auf denen Heilige vor einem meist goldenem Hintergrund zu sehen sind. Häufig in einer Halbtotalen, manchmal auch einer Totalen oder in ganzen Szenen. Ich glaube, ihr habt in meinen vorherigen Beiträgen schon das eine oder andere Beispiel gesehen. Katerina gab uns heute zunächst eine Einführung in die Theorie der Ikonenmalerei bzw Ikonenschreiberei, wie es korrekt heißt. Sagen wir einfach Ikonographie. Das Gold im Hintergrund soll das Paradies darstellen. Das heißt, in dem Moment, wenn man die Ikone betrachtet, bekommt man nicht einfach nur den/die Heilige:n zu sehen, sondern hat viel mehr ein Fenster vor sich, durch das der/die Heilige zu einem herabschaut. Es gibt klare Regeln für das Schreiben von Ikonen und es ist eine jahrelanger Prozess des Lernens. Im Anschluss an die Theorie ging es über zur Praxis. Konstantina ist eine wohl nicht ganz unbekannte Größe in Sachen Ikonographie und ist bis auf Jahre ausgebucht für das Erstellen neuer Ikonen. Wir hatten das Glück und die Ehre, von ihr einen Einblick in das Handwerk zu bekommen. Als Leim für die Leinwand wird Hasenleim (aus der Haut von Hasen, kein Scherz) verwendet. Früher nutzte man dafür Ochsenknochen, aber seit BSE war die Qualität mangelhaft und nicht mehr geeignet. Um auf dem Blattgold, das für den Hintergrund genutzt wird, schreiben zu können, setzt man Ochsengalle ein. Ansonsten findet sich in den Ikonen auch ein Eigelb-Essig Gemisch wider. Also alles andere als vegan, so ein Kunstwerk. Nach einer Kaffeepause leitete uns Konstantina sehr geduldig und Schritt für Schritt durch das Zeichnen einer Jesus Skizze, die man dann theoretisch als Vorlage für eine Ikone verwenden könnte. Ein bisschen wie bei einer Art Night, nur langsamer und lehrreicher.



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