Pisswetter in Jerusalem

War es das Schlafdefizit der vergangenen Tage und Wochen, war es das sonst eher minimal wirkende Schlafmittel, war es das Bier gestern Abend, war es eine Kombination aus allem? In jedem Fall konnte ich die erste Nacht im Beit Shmuel Hotel trotz lauter Lüftung, lautem Wind und laut schnarchenden Zimmergenossen erstaunlich gut schlafen. Da mein Wecker bereits in der korrekten Zeitzone war, der meiner Familie jedoch noch nach deutscher Zeit tickte, war es der meine, der mich zu erst weckte, während alle anderen, die deutlich vor mir aufstehen wollten, um zu duschen, noch friedlich schliefen. Um sie sanft zu wecken, spielte ich mit ansteigender Lautstärke das Küsschenlied vom Traumzauberbaum ab. Im Schnelldurchlauf wurden alle Interessenten in die Dusche geschickt, so dass wir gar nicht sooo viel später im Speiseraum zum Frühstück erscheinen konnten. Israelisches Hotelfrühstück besteht (zumindest hier bei uns) aus den klassischen Zutaten wie Brötchen, Käse, Schokocreme und Honig, Eiern und Rührei, aber auch aus so fancy Geschichten wie Hüttenkäse, Schafskäse und so einem Joghurtzeugs, dessen Namen ich natürlich sofort wieder verdrängt habe. Auch so leckeres süßes Sesamzeugs, auch mit für mich unmerklichem Namen.

Frisch gestärkt liefen wir zum Bus und fuhren dann zu Jakobs Unterkunft am Ölberg (er verbrachte zwar die Nacht bei uns, wollte aber seine Weihnachtsgeschenke in seinem Zimmer ablegen, damit wir diese in den nächsten Tagen nicht mit auf Reisen nehmen müssen). Hier ein paar Impressionen des Weges:

Und das archäologische Institut hat eine eigene Katze namens Archie. Archie ist seeeehr liebebedürftig.

Bekommt aber Konkurrenz von diesem flauschigen Tiger:

Anschließend fuhren wir mit dem Bus ans andere Ende der Stadt, bis kurz vor Bethlehem, wo der Biblical Zoo Jerusalem liegt. Zwischenzeitlich erschien es mir sehr unwahrscheinlich, dass wir unser Ziel jemals erreichen würden, da es abwechselnd wie aus Kübeln regnete und stürmte, zeitweise beides gleichzeitig. So ein Mistwetter aber auch! Dazu kam der Fakt, dass der Bus, den wir nehmen wollten, einfach nicht erschien. Das scheint in Jerusalem gar nicht so unüblich zu sein. Wie sagte Jakob so schön: „Wenn man es hier eilig hat, fährt man nicht mit dem Bus.“ Grund dafür ist der katastrophale Verkehr, verstopfte Straßen, drängelnde Autofahrer… Auf meine Frage hin, welches denn das Verkehrsmittel sei, auf das der Jerusalemer in Eile zugreift, meinte Jakob nur schulterzuckend: „In Jerusalem hat man es einfach nicht eilig.“ Das erklärt einiges…

Wusstest ihr, dass es in der Bibel Pinguine gibt? Dem muss so sein, denn warum sonst sollte es in einem biblischen Zoo Brillenpinguine geben? Ich tippe auf die Apokryphen. Vasco hat sich in jedem Fall sehr darüber gefreut.

Auf dem Rückweg blieben wir mit dem Bus wieder fast stecken, weshalb wir uns dann dazu entschlossen, die restlichen drei Kilometer zu Fuß zurückzulegen – das konnte so viel langsamer nicht gewesen sein. So liefen wir also zur First Station, wo wir in einem amerikanischen Diner ein spätes Mittagessen zu uns nahmen. Richtig, richtig gutes Zeugs: Ziegenkäse-Ravioli mit Süßkartoffelsoße. Die anderen waren allerdings mit ihren Speisen auch sehr zufrieden.

Zum späten Nachmittag hin trennten sich dann unsere Wege. Während meine Angehörigen ins Kino liefen, um den neuen Star Wars Film zu schauen, den ich bereits kenne, machte ich mich die rund 1,5 km im strömenden Regen auf den Weg zurück ins Hotel. Mein Handynavi war etwas überfordert und schickte mich regelmäßig in falsche Richtungen, was aber so gar nicht schlimm war, da ich so durch einen wunderwunderschönen Bezirk und Park geleitet wurde. Trotz Nässe und Dunkelheit einfach nur traumhaft, ich bin vor lauter Freude alle fünf Meter stehen geblieben (was normalerweise meine diversen Mitreisenden in den Wahnsinn treibt, weshalb ich es umso mehr genoss, für mich zu sein).



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