Den dritten und letzten Tag unserer Reise gingen wir etwas ruhiger an. Mit der anstehenden Rückreise morgen und auch der Erschöpfung der letzten Tagen in den Knochen erschien das die logischste Idee. Zumal wir ja auch einfach mal in Rekordzeit das Wichtigste zu Gesicht bekommen haben. Da ich wieder deutlich früher wach war als Micha, setzte ich mich in ein Café um die Ecke und las. Der beste Einfall des Jahrhunderts, echt! Während ich nämlich eigentlich den Bäcker aufsuchen wollte, bei dem wir Freitag schon waren, musste ich feststellen, dass sie keinen Joghurt hatten. Und genau auf den hatte ich Lust. Stattdessen stieß ich auf ein Café direkt in unserer Straße, das quasi Bausteinmenüs anbietet. Das heißt, du denkst dir am Anfang aus, wie viele Bestandteile dein Frühstück haben soll, drei oder fünf, und dann suchst du dir aus einer Liste eben drei oder fünf Dinge aus. Das waren soooo tolle Optionen, dass mir zum ersten Mal hier die Auswahl echt schwer fiel. Tatsächlich war jedes meiner drei Dinge ein Volltreffer: marinierter Lachs, wie ich noch nie zuvor welchen hatte. Der in Schweden war schon unfassbar lecker, der Räucherlachs. Aber der hier…. Hmmm… Fest, aber nicht faserig. Frisch und auch optisch schön anzusehen. Und leeeeeecker. Dazu Rührei mit Zitrone, etwas, was ich zuhause unbedingt ausprobieren will. Und dazu Jogurt mit Granola. Dazu einen herrlichen Tee. Das Café liegt an einer Ecke, hat gerade mal fünf kleine Tische und superfreundliches Personal.

Nachdem Micha dazugestoßen war und selbst Essen bestellt hatte, machten wir uns auf den Weg Richtung Hadrianstor, um von da aus in und durch den Nationalgarten zu spazieren. Da heute auch hier die Hitze angekommen war, die ihr in Deutschland dieses Wochenende habt, war diese grüne Oase der schönste Ort, den man sich vorstellen könnte. Ohne Menschen wäre es schöner gewesen, aber das gilt ja ziemlich grundsätzlich immer hier. An einem schattigen Plätzchen ließen wir uns eine Weile nieder und genossen die klare und frische Luft. Am nahegelegenen Schildkrötenteich sammelten sich Schaulustige, vor allem sehr sehr sehr sehr dumme Kinder mit ihren ebenso dummen Eltern, die Steine auf die armen Tiere warfen. Von unserem Protest ließen sie sich genau null beeindrucken. Warum sind Menschen so?








Als die Menschen- und Taubendichte um uns herum zu hoch wurde, kehrten wir dem Park den Rücken zu. Ohne konkretes Ziel schlenderten wir wieder durch die Altstadt. Dass heute Pfingsten ist fällt hier ebenso wenig auf, wie dass wir Sonntag haben. Das Treiben ist genau so bunt wie jeden Tag. Eine Weile ließen wir uns in einer Bar nieder, die Micha noch von früher kannte, die ganz köstliche eigene Liköre herstellt. Ich gönnte mir einen Cocktail mit Sahne und Schoko und Baileys und danach wirkte der Trubel auf den Gassen weniger anstrengend.



Noch eine kurze Kaffeepause in einem Café bei uns in der Straße, dann eine längere in der Unterkunft und die restlichen Kräfte wieder mobilisiert. So schön es auch ist, auf Dauer geht das ständige Unterwegssein doch ganz schön auf die Energiereserven. Abendessen gönnten wir uns im touristischsten der Restaurant am Fuße der Akropolis. Mehr Massenabfertigung, weniger Geschmack, aber trotzdem völlig in Ordnung. Zum Urlaubsausklang stiefelten wir zur Pnyx hinauf, sinnierten über den Ursprung der Demokratie und setzten uns mit Blick auf die untergehende Sonne auf einen Hügel, jede:r für sich in Gedanken vertieft. Noch mal für die, die in der Geschichte nicht ganz so sattelfest sind: „Die Pnyx ist ein Hügel in Athen, direkt westlich der Akropolis gelegen und seit den Reformen des Kleisthenes um 508 v. Chr. bis 330 v. Chr. der Ort der Volksversammlung (Ekklesia) der Attischen Demokratie. Der Name Pnyx bezeichnet daher auch den Versammlungsbau auf dem Pnyxhügel.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Pnyx)










Nach Sonnenuntergang lohnt sich der Blick von der Pnyx auf die Akropolis noch mal ganz besonders. Also ließen wir uns dort noch eine halbe Stunde nieder und somit die gemeinsame Reise ausklingen. Und falls jemand fragt, heute waren es 19.000 Schritte.



Schreibe einen Kommentar