{"id":4936,"date":"2026-08-09T21:06:45","date_gmt":"2026-08-09T20:06:45","guid":{"rendered":"http:\/\/interpuli.wordpress.de\/2026\/08\/09\/siebenbuergener-sachsen\/"},"modified":"2026-08-09T21:06:45","modified_gmt":"2026-08-09T20:06:45","slug":"siebenbuergener-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/interpulisurlaub-x3tdi2us5s.live-website.com\/en\/siebenbuergener-sachsen\/","title":{"rendered":"Siebenb\u00fcrgener Sachsen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Sonntag angemessen war der erste Tagesordnungspunkt heute nat\u00fcrlich der Gottesdienst in der evangelischen Pfarrkirche. Ich bin selbst ja nicht so die regelm\u00e4\u00dfige Kirchg\u00e4ngerin (#weihnachtschristen), aber das heute hat mich doch sehr fasziniert. Meine Schwester durfte die Veranstaltung mit einer Predigt begleiten. Und dann sitzt man da, in einem fremden Land und erlebt einen Gottesdienst wie zuhause. Dieselbe Sprache, dieselbe Liturgie. Mir sind wahrlich die Augen feucht geworden. Beim anschlie\u00dfenden Kaffeekr\u00e4nzchen gab es die M\u00f6glichkeit, sich noch mit der lokalen Gemeinde auszutauschen. Was die anderen auch taten &#8211; ich ziehe mich ja in solchen Konstellationen eh lieber zur\u00fcck. Nicht wegen Sprache, Kirche oder sonstigen Glaubenss\u00e4tzen, nur liegt mir die Konversation mit mir unbekannten Menschen eben nicht. Aber ich nutzte die Gelegenheit, Gespr\u00e4che zu belauschen. Nicht inhaltlicher Natur. Nur kriegt mich das mit der Sprache einfach total. Warum auch immer ich glaubte, die Siebenb\u00fcrgener Sachsen spr\u00e4chen eine v\u00f6llig andere Version unserer Sprache, sind sie doch schon so lange &#8222;getrennt&#8220; von uns. Isoliert, so hatte ich mir das vorgestellt. Aber das ist es gar nicht. Also einige Sprechen dasselbe Hochdeutsch wie wir, andere haben Dialekte, die mich an einen slawischen Akzent erinnern, manchmal meine ich, auch sowas Ostpreu\u00dfisches rauszuh\u00f6ren (was sprachwissenschaftlicher Unfug ist, aber meinem Eindruck entspricht). Verr\u00fcckt. Und gleichzeitig sind sie hier eine Minderheit, sind doch viele nach dem Zweiten Weltkrieg deportiert worden und haben viele nach der Wende die Ausreise gew\u00e4hlt. Ich m\u00f6chte mir \u00fcberhaupt nicht anma\u00dfen, jetzt zu wissen, wie es sich anf\u00fchlt, eine Minderheit eines Landes zu sein. Doch es l\u00e4dt zu einem wertvollen Perspektivwechsel ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sind \u00fcberhaupt diese Siebenb\u00fcrgener Sachsen und warum sind sie hier? Im Mittelalter geh\u00f6rte Siebenb\u00fcrgen (oder ihr kennt es vielleicht eher als Transilvanien, das Gebiet um und zwischen den Karpaten) zum K\u00f6nigreich Ungarn. Ab dem 12. Jahrhundert holten die ungarischen K\u00f6nige deshalb gezielt Siedler aus dem Westen ins Land. Sie sollten D\u00f6rfer und St\u00e4dte gr\u00fcnden, Handel und Handwerk f\u00f6rdern &#8211; und gleichzeitig die s\u00fcd\u00f6stliche Grenze des K\u00f6nigreichs sichern. Diese Menschen kennen wir heute als Siebenb\u00fcrger Sachsen, was allerdings ziemlich irref\u00fchrend ist: Die meisten kamen \u00fcberhaupt nicht aus Sachsen, sondern unter anderem aus dem Rhein-Mosel-Gebiet und aus Regionen, die heute zu Luxemburg, Belgien und den Niederlanden geh\u00f6ren. \u201eSachsen\u201c wurde damals eher zu einer Sammelbezeichnung f\u00fcr diese deutschsprachigen Siedler. Diese Sachsen gr\u00fcndeten St\u00e4dte und bekamen jede Menge Rechte und Privilegien, die sonst nur dem Adel zustanden. Und sie gr\u00fcndeten St\u00e4dte. Wie Hermannstadt (Sibiu) oder Kronstadt (Bra\u0219ov), weshalb es auch v\u00f6llig in Ordnung ist, die deutschen St\u00e4dtenamen zu verwenden. Nur wie gesagt, ich bevorzuge den rum\u00e4nischen Namen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Gottesdienst, Kaffee und einem spannenden Rundgang um die Kirche, bei dem wir auch Schnitzel kennen lernen durften, die Kirchenkatze, spazierten wir zur Redaktion der Hermannst\u00e4dter Zeitung, bei der wir zum einen einen interessanten Einblick in die Geschichte Rum\u00e4niens im 20. Jahrhundert erhielten, aber auch die der Zeitung selbst. Nat\u00fcrlich spielte auch Ceauseacu dabei eine nicht unentscheidende Rolle. Was mich ebenfalls fasziniert und ich habe es weiter oben im Text schon mal angedeutet: Auch hier spricht man von &#8222;der Wende&#8220; 1989, wie auch bei uns. Also na klar, warum auch nicht? Aber das ist eines der Dinge, \u00fcber die ich einfach nie nachgedacht habe. Danach hatten wir Freizeit, die wir zun\u00e4chst zu dritt in einem Sandwich Restaurant und danach ich allein im Hotel verbrachte. War auch mal wieder n\u00f6tig. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4924\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1035322706232569307159060417.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4924\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4923\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_0958230662981596349517717852.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4923\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4925\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1116049541252689089356977560.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4925\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abends trafen wir uns wieder alle zusammen in der Altstadt zu einer Wein Verkostung samt k\u00f6stlichem Abendessen. Vier Weine &#8211; ein Schaumwein, ein trockener Wei\u00dfwein, ein lieblicher und ein sehr schwerer roter Wein, allesamt aus Rum\u00e4nien &#8211; durften wir kennen lernen. Aber auch die Sprache, da die Pr\u00e4sentation selbst auf Rum\u00e4nisch stattfand und Reiseleiterin Anna f\u00fcr uns \u00fcbersetzte. Rum\u00e4nisch ist eine lustige Sprache. Wie der Name schon verr\u00e4t, ist es romantische Sprache, mitgebracht von den R\u00f6mern vor knapp 2000 Jahren. Es klingt heute aber wie eine bunte Mischung aus Spanisch, Italienisch und Franz\u00f6sisch, aber mit slawischem Einschlag. Beim Lesen verstehe ich hier und da das eine oder andere Wort. Verstehen tu ich aber fast nichts. &#8222;Mersi&#8220; geht ganz gut (wie das franz\u00f6sische &#8222;Merci&#8220;), zum Abschied hei\u00dft es &#8222;la revedere&#8220; (wie im Italienischen das &#8222;arrivederci&#8220; &#8211; bis wir uns wiedersehen). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Anschluss bekamen wir noch Besuch von einer rum\u00e4nischen Pfarrerin, die zwar auch hier lebt, hier geboren ist, deutsch spricht, aber keine Siebenb\u00fcrgener S\u00e4chsin sondern Landlerin. Die Siebenb\u00fcrger Landler sind eine eigene deutschsprachige Bev\u00f6lkerungsgruppe in Siebenb\u00fcrgen und eben nicht urspr\u00fcnglich Siebenb\u00fcrger Sachsen. Sie kamen auch viel sp\u00e4ter: Die Sachsen wurden ab dem 12. Jahrhundert von den ungarischen K\u00f6nigen angesiedelt; die Landler dagegen erst im 18. Jahrhundert. Und ihre Geschichte ist ziemlich heftig: Sie waren \u00fcberwiegend Protestanten aus den habsburgischen Erblanden, besonders aus dem heutigen Ober\u00f6sterreich. Unter den Habsburgern wurde im Zuge der Gegenreformation versucht, diese protestantischen Gemeinschaften wieder katholisch zu machen. Wer sich weigerte, wurde teilweise zwangsweise nach Siebenb\u00fcrgen umgesiedelt. Dort landeten viele von ihnen ausgerechnet in bereits deutschsprachigen evangelischen Orten, vor allem Neppendorf bei Hermannstadt, Gro\u00dfau und Gro\u00dfpold. Dadurch lebten Landler und Siebenb\u00fcrger Sachsen schlie\u00dflich nebeneinander und teilten die evangelische Konfession &#8211; blieben kulturell aber lange unterscheidbar. Es gab eigene Dialekte, Trachten, Br\u00e4uche und ein ziemlich ausgepr\u00e4gtes Bewusstsein: Wir sind Landler.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4930\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1547266781988962504967721053.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4930\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Traditionelle rum\u00e4nische Trachten <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4935\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_0943386717611717264553900449.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4935\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4929\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1618453372181953947279472398.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4929\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4933\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1622063584509270950188829686.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4933\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4926\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_165746173553149403108672957.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4926\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4928\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1703082505797616074322213309.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4928\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4927\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1759510902699494856104160932.jpg?w=771\" alt=\"\" class=\"wp-image-4927\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4932\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_185355572903652254285301666.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4932\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4931\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pxl_20260809_1855094003256789060873635482.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4931\" \/><\/figure>\n<\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Sonntag angemessen war der erste Tagesordnungspunkt heute nat\u00fcrlich der Gottesdienst in der evangelischen Pfarrkirche. 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