{"id":4652,"date":"2025-11-14T20:35:53","date_gmt":"2025-11-14T19:35:53","guid":{"rendered":"http:\/\/interpuli.wordpress.de\/2025\/11\/14\/frust\/"},"modified":"2025-11-14T20:35:53","modified_gmt":"2025-11-14T19:35:53","slug":"frust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/interpulisurlaub-x3tdi2us5s.live-website.com\/en\/frust\/","title":{"rendered":"Frust"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht erst heute frage ich mich, warum mich diese Gruppe so sehr frustriert hat, mit der ich die Woche Bildungsurlaub verbracht habe. Schon in der ersten \u00dcbung war da dieser Widerstand \u2013 nicht nur in mir, sondern vor allem in den Menschen, mit denen ich die Aufgaben bearbeiten sollte. Oder wollte. Sie melden sich f\u00fcr eine Woche \u201eEmpathische Kommunikation\u201c an \u2013 was, wie ich inzwischen wei\u00df, schlicht die Gewaltfreie Kommunikation ist. Und dann lassen sie sich nicht darauf ein. Zumindest f\u00fchlt es sich so an. Ihr Ziel scheint zu sein, mit dieser Kommunikationsform andere von den eigenen Werten und Bed\u00fcrfnissen zu \u00fcberzeugen. In allen \u00dcbungen geht es nur um \u201edie anderen\u201c: Die machen Fehler, die sind schuld, die m\u00fcssen sich \u00e4ndern. Und nur wenn sich die anderen auf GFK einlassen, k\u00f6nne das \u00fcberhaupt funktionieren. Die Welt sei schlie\u00dflich, wie sie sei. Doch GFK beginnt bei uns selbst. Genau das ist ja die Chance, die diese Methode bietet: unsere eigenen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse \u00fcberhaupt wahrzunehmen. Und in Konflikten ein bisschen Leichtigkeit zu finden \u2013 nicht, indem wir Frust oder Wut wegwischen, sondern indem wir verstehen: Der andere Mensch ist selten b\u00f6se. Meistens ist er verletzt, unsicher, \u00fcberfordert oder f\u00fchlt sich nicht gesehen. Das bedeutet nicht, dass wir verantwortlich w\u00e4ren, das zu reparieren. Aber es nimmt uns etwas von dem Druck, st\u00e4ndig gegen die Welt anzuk\u00e4mpfen. Denn was haben wir davon, Groll festzuhalten? Es f\u00fchlt sich schwer an. Fest. Eng. Wenn wir ihn wahrnehmen, ihm zuh\u00f6ren und ihn dann auch wieder ziehen lassen, wird es leichter. Nicht perfekt, aber leichter. Jeder Mensch tut grunds\u00e4tzlich das, wozu er in diesem Moment in der Lage ist. Auch Strategien, die wir nicht nachvollziehen k\u00f6nnen, basieren am Ende auf dem Versuch, ein Bed\u00fcrfnis zu erf\u00fcllen. Diese Bed\u00fcrfnisse sind universell. Nur die Wege, wie wir sie zu stillen versuchen, sind individuell \u2013 manchmal konstruktiv, manchmal komplett daneben. Ich kann mich nat\u00fcrlich \u00fcber die Strategien der Menschen aufregen. Mir f\u00e4llt es selbst schwer, wenn andere zu sp\u00e4t kommen, im Unterricht am Handy h\u00e4ngen, st\u00e4ndig am Thema vorbeireden oder bei jeder Frage nach Gef\u00fchlen nur \u201eDer hat mich manipuliert\u201c antworten. Das frustriert mich, weil es meinen Werten widerspricht. Aber sobald ich mir das bewusst mache, wird es leichter. Ich kann mich daran erinnern, dass die Menschen eben tun, was sie gerade k\u00f6nnen. Das macht sie nicht zu schlechteren Menschen \u2013 so wie es mich nicht zu einem besseren macht, dass ich versuche, die Perspektive zu wechseln. Ich spiele damit meine Bed\u00fcrfnisse nicht herunter. Ich erkl\u00e4re sie nicht f\u00fcr weniger wichtig als die der anderen. Ich sorge nur daf\u00fcr, dass ich mich nicht im eigenen Frust verhedderte. Ich werde diese Leute nie wiedersehen (hoffentlich), und ich habe nichts davon, wenn ich ihren Schatten mit mir herumtrage. Und vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieser Woche: Ich nehme Dinge weniger pers\u00f6nlich. Eigentlich bin ich jemand, der das Verhalten anderer schnell als Kommentar \u00fcber sich verstanden, als mangelnde Wertsch\u00e4tzung, als Desinteresse, als irgendetwas, das mit mir zu tun hat. Dass ich als Person abgelehnt werde. Doch jetzt sehe ich eher die Bed\u00fcrfnisse, die da aufeinanderprallen. Der Wunsch nach Ruhe trifft auf den Wunsch nach Austausch. Das Bed\u00fcrfnis nach Klarheit st\u00f6\u00dft auf das Bed\u00fcrfnis nach Leichtigkeit. Und manchmal bleiben wir einfach alle in unseren Strategien h\u00e4ngen. Wenn ich das so betrachte, f\u00fchlt sich die Welt weniger feindlich an. Weniger wie ein Spiegel, der mir st\u00e4ndig etwas \u00fcber mich zur\u00fcckmeldet. Mehr wie ein Raum, in dem Bed\u00fcrfnisse nebeneinander existieren d\u00fcrfen, auch wenn sie sich widersprechen. Diese Perspektive macht es leichter, nicht jedes Verhalten als Angriff zu lesen. Und sie macht es leichter, meinen eigenen Frust zu halten, ohne ihn zur Wahrheit \u00fcber mich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um dar\u00fcber zu sinnieren und mit dem neuen (H\u00f6r-)Buch von Sarah Kuttner zu beginnen, bin ich heute dem Vorschlag meines Gastgebers gefolgt und habe mir Punto del Hidalgo angeschaut. Mit dem Blick auf die Wellen und die atemberaubenden Berge im Hintergrund l\u00e4sst es sich wahrlich ganz wunderbar denken. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4642\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1415266668272236668723929659.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4642\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4643\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1506221609177456604303845888.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4643\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4641\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1535525471769684288092504891.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4641\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4644\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1601570837767060103566589956.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4644\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4646\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1620370132675055730497402437.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4646\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4648\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_151513533309129793890183805.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4648\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4647\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1446171554010155481823159436.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4647\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was ich an Teneriffa so liebe, man sieht gef\u00fchlt immer den Teide, den gro\u00dfen Vulkan:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4649\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1038267881499921001847018850.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4649\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Von der Akademie in Puerto de la Cruz aus<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4650\" src=\"https:\/\/interpuli.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/pxl_20251114_1402157234931434603605869361.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-4650\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Von Punto del Hidalgo aus<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dabei liegen die beiden Orte doch recht weit auseinander. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht erst heute frage ich mich, warum mich diese Gruppe so sehr frustriert hat, mit der ich die Woche Bildungsurlaub verbracht habe. 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