Nun ist es 12,5 Monate her, als ich das letzte Mal in Athen war. Damals hatte ich auf eigene Faust die Stadt erkundet, dieses Mal habe ich einen wunderbaren Experten an meiner Seite. Und kaum eine Stadt bekommt eine so andere Perspektive, wenn man sie durch die Augen einer:eines Archäolog:in betrachtet.
Aber fangen wir vorn an. Wer aus Berlin anreist und das Geld nicht so locker zu sitzen hat, entscheidet sich schnell für den Flug, der 0:30 Uhr Ortszeit in Athen landet. Da nachts die Metro nicht fährt, bleibt – ohne Auto – nur der Bus, um in die Stadt zu kommen. Der X95, wer kennt ihn nicht? Wie funktioniert der Bus, wo fährt er ab? Infos, die man sicherlich vor Ort in Erfahrung bringen kann. Das Internet ist da eher… schwammig. Es gibt sogar eine Anzeigetafel, welcher Bus wann fährt. Toll, oder? Das fehlt: Wo fährt denn überhaupt ab? Mit viel zu warmer Kleidung suchte ich also etwas genervt und müde und völlig überreizt den entscheidenden Bussteig. Ah, da fährt der X93. Und da der X96. Cool, dann kann der X95 ja nicht weit sein. Pustekuchen! Irgendwann, als ich viermal die Steige auf- und abgelaufen war, sah ich den X95 in meine Richtung fahren… und an mir vorbei. Blieb mir nichts anderes übrig, als hinterher zu flitzen. Als ich ihn erreichte, war er bereits sooo voll, dass ich kaum noch reinkam. Aber es klappte. Und nun, Ticket? Hmm… Ich sah, wie die anderen ihre Kreditkarte an das Touchpad am Eingang hielten, also tat ich es ihnen gleich. Fehler. Handy Wallet. Fehler. Dreck! Bis mir wieder einfiel, dass die Griechen sich mit Debit Karten schwer tun. Zum Glück habe ich aus dem Debakel letztes Jahr gelernt und mir eine entsprechende Visa Karte zugelegt und zum Glück auch bei mir. Damit klappte es dann. Der Bus, schwül, voll, bäh, fuhr eine knappe Stunde, bis er die Endstation, Syntagma, erreichte. Noch 1,7km bis zur Unterkunft, inzwischen 2 Uhr morgens. Ein O-Bus könnte mich weiterbringen, würde aber erst in 20 Minuten fahren. Scheiß drauf, die milde Luft bietet sich an für einen Spaziergang. Und so erreichte ich dann gegen halb 3 mein Ziel. Fiel ins Bett und schlief an…

Morgens wurde ich unsanft von der Baustelle um die Ecke geweckt. Dreck². Nun gut, einmal umdrehen, ein bisschen ruhen, knapp fünf Stunden Schlaf wurden es trotzdem. Micha war bereits vor mir angereist und begrüßte mich herzlich, als wir uns sahen. Beide ausgehungert, die Entscheidung fiel leicht: los zum Frühstück. In einem netten Café gab es leckeres süßes Gebäck und Cappuccino. Endlich wirklich das Gefühl von Ankunft. Und nun? Da hat man schon mal einen Archäologen neben sich, also gibt’s vor allem ein Ziel: die Akropolis. Aber zuerst rauf auf den Philopapposhügel mit Heroon des Musaios hinauf, von wo aus man einen tollen Blick auf die Akropolis hat. Was mich aber noch mehr bewegt hat: Hier wohnen Schildkröten. Einfach so. Laufen dir über den Weg und lassen sich nicht stören.







Der Archäologe ließ es sich nicht nehmen, nochmal auf das krasse Wachstum der Stadt Athens im letzten Jahrhundert hinzuweisen. Vor 100 Jahren noch war da die Akropolis und ein Häuser hier, ein paar Gebäude da. Jetzt ist es eine Großstadt. Und was für eine. Voller Reize, Lärm, Menschen, Gerüchen… Aber wir ließen uns davon nicht beeindrucken und spazierten den Hügel hinab und die Akropolis hinauf, nur um festzustellen, dass wir erst Tickets ab 15 Uhr bekommen. Also Tickets für 15 Uhr, um genauer zu sein. Aber wir hatten ja keinerlei Stress. Und nutzten die Zeit, um zur Agora zu spazieren und den Tempel des Hephaistos anzuschauen. Das wollte ich beim letzten Mal schon tun, hatte aber nicht verstanden, wie man hinkommt (es gibt zwei Eingänge und Gelände, Eintritt 20 Euro). Und so sah ich den Tempel nun endlich von Nahem. Mit viel Hintergrundinformationen von Micha. Und wieder mit einer besonders schönen Schildkröte. Auch die Agora schauten wir uns in Ruhe an, mit Exponaten drinnen, wie zum Beispiel diesem tollen Kinderklo.












Die Füße würden immer schwerer, die Wolken weniger, die Sonne kraftvoller. Also gönnte wir uns umgeben von Olivenbäumen und Pinien ein schattiges Plätzchen und ruhten uns aus, bevor wir den Weg die Akropolis hinauf antraten. Da so imposant das Parthenon aus der Ferne auch aussieht, erstmal oben auf dem Hügel wechselt die nie Neugier und Vorfreude schnell zu Überforderung und glühenden Köpfen (selbst jetzt im Mai ist es arg unangenehm da oben). Durch Michas Wissen begleitet erhielt ich hier nun also die Gelegenheit, alles nicht nur mir „ah noch ein Tempel zu bewerten, sondern auch etwas zu lernen und Zusammenhänge zu verstehen. Irgendwann glühte dann aber mein Kopf und wir liegen wieder hinab ins Plaka Viertel. Dort leisteten wir uns einen tollen Frappuchino und tankten Energie.









Noch einmal Luft holen in unserer Unterkunft und dann mit der Metro ab nach Exarchia. Micha wollte mir gern das Studentenleben Athens zeigen. In einem Fischrestaurant aß ich sehr leckeres Tsatsiki mit Mais Pita Brot und frittierte Anchovis. Wirklich sehr gut. Ich war zufrieden. Gesättigt und völlig alle liefen wir zurück zur Metro um wieder zur Unterkunft zu fahren. Nach den 28.000 Schritten am heutigen Tag hatte ich mich auf Ruhe und Erholung gefreut. Ich fürchte aber, das muss warten, bis ich zurück in Berlin bin. Den die nicht-isolierten Fenster lassen jeden komplett am Nachtleben teilnehmen, ob man will oder nicht. Die Fenster sind hier auch eher Attrappe als Isolierung. Drückt mir die Daumen, dass ich die Nacht nun ein paar Stunden werde schlafen können

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