Das war vielleicht ein laaanger Tag, sag ich euch. Im Grunde haben wir weniger gemacht als gestern, weniger Kilometer zurückgelegt, sind auch nur etwa 2.000 Schritte mehr gelaufen… aber es fühlt sich nach so viel mehr an. Jetzt sitze ich endlich gemütlich im Bett, es ist etwa halb 9, PJ Harvey singt mir ins Ohr, soo ein schönes und wohliges Gefühl.
Los ging es wie immer beim Frühstück. Sagte ich schon, dass es von Mal zu Mal (oder von Mahl zu Mahl) besser wird? Hmm, so gut. Zum Glück hat Karo das Jerusalem Kochbuch zu Weihnachten bekommen, vielleicht kann ich sie ja überzeugen, mir hin und wieder mal ein leckeres Frühstück/ Mittagessen/ Abendbrot zuzubereiten (ich würde ja helfen, bin aber ein katastrophaler Koch). Im Gepäck habe ich bereits Humus und Pitabrot für die Heimreise und ein sanftes Ankommen in der Heimat morgen. Ja, ihr lest richtig, morgen geht’s wieder zurück ins triste Berlin. Aber noch bin ich ja hier und noch freue ich mich auf das morgige Frühstück. Vielleicht ist ja wieder der junge Mann da, der mich fragte, ob wir aus Dortmund kämen – er hatte den BVB Schal erkannt, den ich trug. Erst im Nachhinein viel mir auf, dass er selbst ein Real Madrid Trikot anhatte. Ich bin gespannt, ob wir morgen mal pünktlich das Haus verlassen. Jeder, der mit Teenagern unterwegs ist, kennt das Problem, die Gören rechtzeitig aus dem Bett zu kriegen. „Gören“ meine ich aber natürlich gaaanz liebevoll, meine Herzchen würde ich nie ernsthaft beleidigen!
Nachdem dann alle so langsam wach waren (also nach dem Frühstück), stiegen wir ins Auto und fuhren zur antiken Synagoge im Dorf. Sie stammt aus dem 6. Jahrhundert, lag aber lange Jahre verschütt, bis sie Anfang des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde. Der besondere Clou jener Synagoge ist der Mosaikfußboden. Es heißt, es sei beim Bau der Synagoge das Geld knapp gewesen, doch man habe unbedingt einen solchen Fußboden haben wollen. Die Mosaikexperten konnte sich keiner leisten, aber hey, der Lehrling tut’s doch wohl auch. Und so entstand dieses „wunderschöne“ Mosaik. Der Schaffer schlug ein Zodiac vor, was aber nicht so recht in eine Synagoge passte, da es eher in die griechische Mythologie gehört. Daher wurde einfach ein Tierkreis mit Tierkreiszeichen in anderer Reihenfolge dargestellt, also alles im Grünen Bereich. Aber wir brauchen dringend noch die Bundeslade, dann wird da ein Schuh draus. Und ach, packen wir noch die Opferung Isaaks dazu. Ein Schaf gehört nicht dazu? Schreiben wir einfach „Bock“ drüber, dann versteht schon jeder, was gemeint ist. Der Künstler nahm sich wohl andere Mosaike zum Vorbild und kopierte sie eher dilettantisch und baute damit auch noch den einen oder anderen Rechtschreibfehler ein. Aber seht selbst:
Anschließend durchforsteten wir Beit Alfa auf der Suche nach einer Möglichkeit, Briefmarken zu finden, denn ich habe mir antiquierterweise in den Kopf gesetzt, einigen guten Menschen Postkarten zu schicken. Geschrieben sind sie schon, nur der Teil mit den Briefmarken gestaltete sich – wie fast immer im Urlaub – als Herausforderung. In Beit Alfa fanden wir jedenfalls keine. Dafür fanden wir einen Supermarkt, in dem wir dann später auf dem Rückweg noch einkauften. Was immer wieder erschreckend ist, ist, dass es so viele Israelis gibt, die kein Wort Englisch sprechen. Das macht die Briefmarkensuche natürlich erheblich viel schwerer.
Die Suche vorerst vertagend ging es mit dem Auto nun weiter. Einige aber nicht allzu viele Kilometer von Beit Alfa entfernt liegt der Gan HaShlosha Nationalpark. Bereits meine Eltern, die letztes Jahr ebenfalls hier waren, schwärmten so übermäßig von diesem Ort, dass wir gar keine andere Wahl hatten, als uns diesem Spektakel hinzugegen. Was ist so besonders an diesem Park, fragt ihr? Es gibt Fische, Knabberfische. Ob man die wirklich so nennt, weiß ich nicht, bei uns werden sie jedenfalls ausschließlich als solche referenziert. Knabberfische sind Fische wie du und ich, doch fahren sie total auf Hornhaut ab oder sowas Absurdes. Jedenfalls knabbern sie dir an den Füßen, wenn du diese ins Wasser hältst. Da sie sich in ganz wundervollem warmem Quellwasser aufhalten, ist es auch im Winter angenehm warm. Zumal ich noch dazu erwähnen sollte, dass es heute ein verhältnismäßig sonniger Tag war (zumindest im Vergleich zu den letzten Tagen) und wir um die 18 Grad hatten. Also, gesagt – getan. Füße ins Wasser… Aber da waren keine Fische 🙁 Was wir nicht bedacht haben, ist, dass es offenbar christliche Fische sind. Und diese haben heute natürlich frei, ist ja Sonntag. So erkläre ich mir das zumindest. Das war ein bisschen schade. Aber die Füße im warmen Wasser zu entspannen, war trotzdem sehr schön.
Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls ein ehemalige Kibbutz. Oder eher ein Museumskibbutz, ich vermute zumindest, dass vieles, was dort zu sehen war, nur nachgebaut war, nicht original. Hier lebten 1936 – 1939 ausgewanderte polnische Juden. Sehr viele Menschen auf sehr engem Raum. Da bekomme ich gleich ein schlechtes Gewissen, wenn ich unglücklich darüber bin, mal mit meiner Familie für mehrere Nächte einen Raum teilen zu müssen!
Von einem Nationalpark aus fuhren wir zum nächsten, nämlich nach Beit She’an. Dort befindet sich eine weitere Ausgrabungsstätte, deren Besiedlung bereits im 5. Jahrtausend (v. Chr. versteht sich) begann. Ich müsste jetzt hier noch einiges zur Geschichte erzählen, aber ganz ehrlich, das merkt sich doch eh keiner. Ich zeige euch lieber ein paar Bilder…
Ach, und da komme ich schon wieder ins Schwärmen, dieser Ausblick. Neben den Ruinen befindet sich ein so genannter Tel. Das ist ein Hügel oder Berg, der auf den Überresten vergangener Dörfer und Städte errichtet wurde. Ihr kennt vielleicht „Tel Aviv“? Jetzt habt ihr eine Idee, wo diese Stadt liegt. Dieser Tel hier in jedem Fall bietet einen ganz, ganz wunderbaren Ausblick auf das Tal, und dieses Mal auch mit Sonne und ohne Dunst.
In der modernen Stadt Bet She’an gibt es eine Post. Zumindest sagte mir das mein Handy. Also begaben wir uns auf die Suche nach Briefmarken. So schwer kann das ja nicht sein, oder? Das war nun schon das dritte Mal, dass mich mein Google Maps in die Irre geführt hat hier in Israel. Die Post wurde einfach an einer falschen Ecke angegeben. Gefunden haben wir sie aber trotzdem. Und liebe Leute, die ihr das lest und eine Karte von mir erhaltet, schätzt euch glücklich! Ich habe nämlich mein ganzes Taschengeld in die Briefmarken stecken dürfen, weil die Post einfach keine passenden Marken mehr da hatte und ich die nächst teureren kaufen musste. Überhaupt war die Dame da in der Postfiliale gänzlich überfordert von meiner Anfrage. Ich musste sogar meine Telefonnummer und meine Pass-Nummer angeben. Da ich den Pass nicht zur Hand hatte, verweigerte ich das dann aber, was auch nicht so schlimm war. Hinterher erklärte mir meine Familie, dass das wohl daran läge, dass ich somit keine Mehrwertsteuer zu zahlen habe. Komisch diese Leute!
Mit endlich beklebten Postkarten in der Hand konnten wir unsere letzte Etappe des Tages in Angriff nehmen: die Route 66. Äh Route 666. Nein Quatsch, Route 6666. Naja, auf die kam es gar nicht an. Wichtiger war die Route 667, eine ganz bezaubernde Panoramastraße entlang des Gebirges (bitte fragt mich nicht nach dem Namen), dass Israel und die Westbank voneinander trennt. Mit Blick auf den israelischen (und teilweise jordanischen) Teil. Von einem einem Aussichtspunkt, zu dem wir noch rund einen Kilometer wanderten (oder war’s weniger?), hatten wir zeitgleich einen Blick auf alle drei Länder auf einmal. Das war definitiv und ganz ohne Frage einer der schönsten Anblicke EVER! Ich habe etwa 10 Panoramabilder erstellt, aber ich versuche mal, die besten hier rauszusuchen und euch zu zeigen.
Danach ging mit dem kleinen Umweg über den Supermarkt wieder zurück ins Kibbutz, wo Katrin, Jakob, Lise und ich noch zwei Runden Exploding Kittens spielten. Ich hätte aber genau so gut auch noch stundenlang den Mond anschauen können. Der ist zwar heute nur als dünne Sichel zu sehen, doch kann man den dunklen Teil gerade sehr gut erahnen. Vielleicht geht das ja immer, wenn man nicht der Lichtverschmutzung der Stadt ausgesetzt ist, ich weiß es nicht, bin halt Stadtkind. Klärt mich auf!


























