Über den Jordan fahren

Das war doch heute wirklich ein ganz schön guter Tag, muss man mal so festhalten. Zwar hat uns der nervige Regen von Jerusalem bis nach Beit Alfa und dann auch nach Galiläa verfolgt, doch lassen wir uns von diesem „bisschen“ Wasser nicht vorschreiben, wie wir unsere Zeit verbringen, pah! Da ich vermute, dass jeder von euch mit Jerusalem was anzufangen weiß, habe ich nicht weiter dokumentiert, wo wir uns aufhalten. Ich nehme aber an, dass mit Beit Alfa nicht sooo viele was anfangen können, daher schaut hier, da waren wir heute: (also Beit Alfa ist der südliche Punkte, die blaue Linie sind wir entlang gefahren und der große rote Punkt stellt das erste Ziel dar, das Gewässer habt ihr sicher schon als See Genezareth erkannt)

Aber fangen wir ganz vorn an, nämlich beim Frühstück. Hat man sich in Israel eine Unterkunft inklusive Frühstück gegönnt, kann man nur glücklich in den Tag starten. Auch hier im Kibbutz ist das Essen megalecker und sogar noch umfangreicher als beim Hotel in Jerusalem. Ich mache nur ungern Bilder vom Buffet, daher müsst ihr hier mit meinem Teller vorlieb nehmen. Was auf dem Bild nicht zu sehen sind (weil ich’s nicht gegessen habe), sind so Köstlichkeiten wie Shakshuka und diverses Salatgemüse. Zum Glück waren wir bereits kurz nach 8 Uhr im Speisesaal, so dass wir die ersten waren und freie Auswahl hatten.

Mit dem Auto machten wir uns dann auf den Weg, besagte Route zu fahren. Da wir es gestern leider nicht geschafft hatten, das Auto davon zu überzeugen, dass es doch eine wahnsinnig gute Idee wäre, die Musik von meinem Handy abzuspielen, galt Jakobs Boombox heute als Most Valuable Product (MVP). Er diente auch als DJ, so dass ein bunter Mix entstand, von Billie Eilish, über Faber, Wanda, Von Wegen Lisbeth, Portishead zu PJ Harvey, Nick Cave, aber eben auch Desert Sessions und System of a Down. Und wie wir drei auf der Rückbank mitsangen, es war einfach zu herrlich. Ein großes Vergnügen und Chapeau für meine Mitsänger! Unterbrochen wurden wir nur gelegentlich vom autoeigenen Navi, das Mytthse auf Swyzerdütsch eingestellt hatte, da konnte ich mitunter vor Lachen nicht mehr singen. Da wir vor lauter Regen nur sehr selten angehalten haben zum Fotomachen, habe ich aus dem Fenster heraus einfach immer wieder geknipst. Entschuldigt bitte daher die schlechte Qualität der Bilder, aber es gibt, denke ich, doch einen spannenden Eindruck von der Fahrt entlang des See Genezareth.

Ziel Nummer Eins war heute die Kirche der Seeligpreiungen auf dem Berg der Seeligpreiungen. So richtig drauf einlassen konnte ich mich da nicht, weil da so entsetzlich viele Touristen waren, dass ich partout mit Ausweichen und Stehenbleiben beschäftigt war. Beeindruckend war’s aber trotzdem ein bisschen, wenn auch viel mehr der Blick auf den See. Aber ihr kennt mich, ich hab’s eh immer mehr mit der Natur als mit der Kultur. Eine besondere Freude jedoch diese Konstellation aus Tafel und Warnhinweis:

Ansonsten hier noch weitere Bilder von dieser Etappe:

Danach ging es weiter zum Korazim Nationalpark bzw. zur Ausgrabungsstätte. Dieses Dorf wird immerhin in der Bibel erwähnt, da Jesus dort „gewirkt haben“ soll, was auch immer das genau bedeutet. Beeindruckend ist hier in jedem Fall, dass die Gebäude aus recht schwer zu bearbeitenden Basalt errichtet wurde und nicht wie sonst hier so üblich aus Sandstein.

Als nächster Programmpunkt war eigentlich die Brotvermehrungskirche, doch aufgrund der unzählig vielen Touristen ließen wir das Ganze dann doch ausfallen. Das wäre mehr Qual als Vergnügen geworden. Bei dem Wetter suchen sich natürlich alle die überdachten Stätten…

Aber damit war der Tag noch lange nicht zu Ende, denn da fehlte ja noch ein ganz wichtiges Highlight der Region: der Jordan. Genau genommen die heilige Stelle südlich des See Genezareth, an der sich viele Christen taufen lassen, da sich dort (bzw. nicht ganz, aber in der Nähe) Jesus durch Johannes hat taufen lassen. Auch während wir dort waren, konnten wir eine Taufe beobachten, doch schien das eher eine so semi-seriöse Veranstaltung gewesen zu sein. Auf dem einen Bild sieht man das im Hintergrund (auf eine Nahaufnahme wollte ich lieber verzichten). Aber auch ganz unabhängig von seiner Geschichte ist dies ein besonders hübsches Stück Erde, weil der Jordan hier so eine beeindruckende Farbe hat.

Der letzte Eintrag unserer heutigen Sightseeing Tour war der Kokhav Hayarden Nationalpark mit der Ruine der Kreuzfahrerburg Belvoir aus dem 12. Jahrhundert. Von hier wieder ein spektakulärer Blick auf das Tal Galiläa: (ja, bei Sonne wär’s wohl noch etwas schöner und sichtbarer gewesen, ich fand’s trotzdem super)

Die Burgruine ist aber auch nicht von schlechten Eltern…

Zum späten Nachmittag hin waren wir wieder zurück in Beit Alfa bzw. kurz davor und setzen uns zum Ausruhen und zur Kräfteregenerierung in ein arabisches Restaurant, gleich neben dem Chinesen von gestern. Es hab so unbeschreiblich leckeres Essen, hmmm, ich hätte mich am liebsten reingelegt. Was vermutlich sogar ganz angenehm gewesen wäre, hmmm, Humus. Und dazu Humus. Und dazu wieder dieses Joghurtzeugs vom Frühstück. Und dazu Falafel (ich stelle fest, ich mag doch Falafel, nur aber die originalen, nicht den Schrott, den man in Berlin bekommt). Und dazu noch so Gemüsezeugs. Und dazu Pitabrot, so als Basis für alles.


Nachdem wir wieder zurück im Kibbutz angekommen waren, fühlte sich mein Magen einfach viel zu voll an, um einfach nur faul gebettet zu werden, er musste noch ein bisschen ausgeführt werden. Deshalb machte ich mich dann noch allein auf einen rund 5 km langen Spaziergang die Berge hinter dem Kibbutz hoch, bis mich dann irgendwann die Dunkelheit einholte. Der Rest des Weges war dann doch ein bisschen aufregend, weil das Neubaugebiet unweit des Kibbutz‘ noch nicht in Google Maps erfasst worden ist, aber ich habe letztendlich den Heimweg gefunden und ich fühlte mich gut ausgelaugt, um den faulen Teil des Tages zu beginnen. Was heißt hier faul? Immerhin schreibe ich hier noch stundenlang Texte für euch…